Ich mag das Wort nicht, es ist zu negativ behaftet. Genau genommen ist es ein Schimpfwort. Schon als Kind hörte ich wie Erwachsene über Menschen urteilen und dann eben das Wort sagten, da hörte ich nie, dass das eine Krankheit ist. Und das ist heute leider noch nicht viel besser, ich arbeite in einem sozialen Job, sogar da wir es abwertend benutzt …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ist „Alkoholiker” ein abwertender Begriff – und verhindert Stigma den Weg aus der Alkoholsucht?
Die Beobachtung dieses Forumsmitglieds trifft einen wunden Punkt, den die Suchtmedizin seit Jahren diskutiert. Die medizinische Fachwelt hat sich bewusst vom Begriff „Alkoholiker” gelöst: Das DSM-5 spricht von einer Alkoholkonsumstörung, die ICD von einem Abhängigkeitssyndrom. Der Grund ist genau das, was hier beschrieben wird – das Wort trägt eine moralische Wertung, die mit einer medizinischen Diagnose nichts zu tun hat. Studien zeigen, dass stigmatisierende Sprache die Bereitschaft senkt, professionelle Hilfe zu suchen. Wenn selbst Fachkräfte in sozialen Berufen den Begriff abwertend verwenden, verstärkt das die Scham und erschwert den Zugang zur Behandlung. Die Erfahrung aus dem Forum bestätigt, was die Forschung belegt: Sprache formt die Wahrnehmung – und entscheidet mit darüber, ob Abhängigkeit als Krankheit erkannt oder als Charakterschwäche abgestempelt wird.
Häufig gestellte Fragen zu Stigma und Alkoholsucht (FAQ)
Warum gilt das Wort „Alkoholiker
Der Begriff vermischt eine medizinische Diagnose mit einer moralischen Bewertung. Er reduziert die Person auf ihr Trinkverhalten und blendet aus, dass Alkoholabhängigkeit eine anerkannte Erkrankung mit neurobiologischen Ursachen ist. In der Alltagssprache wird er oft als Schimpfwort gebraucht, was die Hemmschwelle erhöht, sich Hilfe zu holen.
Frage
Die aktuelle Fachbezeichnung lautet Alkoholkonsumstörung (nach DSM-5) beziehungsweise Abhängigkeitssyndrom (nach ICD). Beide Begriffe beschreiben den Schweregrad der Erkrankung anhand klinischer Kriterien – ohne moralische Wertung.
Beeinflusst stigmatisierende Sprache den Verlauf einer Alkoholsucht?
Ja. Untersuchungen belegen, dass abwertende Bezeichnungen die Bereitschaft verringern, eine Therapie zu beginnen oder offen über das eigene Trinkverhalten zu sprechen. Wer Angst vor dem Etikett hat, versucht häufig, das Problem so lange wie möglich zu verbergen – oft bis die gesundheitlichen Folgen schwerwiegend sind.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”


