Ich muss allerdings dazusagen, dass ich eher ein Quartalstrinker war und auch früher immer wieder problemlos zwei oder drei Monate lang gar nichts getrunken habe. Solche Pausen brauchte ich oft nach Festivals oder besonders feierintensiven Wochen im Sommer. Außerdem habe ich Alkohol schon seit meiner Jugend ausgesprochen schlecht vertragen. Bereits mit 18 hatte ich nach manchen Abenden drei bis vier Tage lang einen Kater. Allein deshalb hätte ich mir nie vorstellen können, täglich zu trinken.
So etwas wie echtes Craving kenne ich bei mir eher von Süßigkeiten: …
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann man alkoholabhängig sein, obwohl man wochenlang problemlos nichts trinkt?
Das episodische Trinkmuster, das hier beschrieben wird, entspricht dem sogenannten Epsilon-Typ nach Jellinek – einer Form des Alkoholismus, bei der nicht die tägliche Menge, sondern der wiederkehrende Kontrollverlust in bestimmten Phasen das zentrale Merkmal ist. Die ausgeprägt schlechte Verträglichkeit bereits in jungen Jahren kann auf eine niedrige Aktivität der Alkohol-Dehydrogenase hinweisen – des Enzyms, das Ethanol im Körper abbaut. Dass das Craving sich eher auf Süßigkeiten als auf Alkohol richtet, ist biochemisch nachvollziehbar: Das Belohnungssystem sucht nach dem Wegfall des Alkohols alternative Dopaminquellen, und Zucker liefert diese besonders schnell. Das allein ist keine Suchtverlagerung im klinischen Sinne, sondern eine vorübergehende Kompensationsreaktion des Stoffwechsels. Entscheidend bleibt: Auch wer nicht täglich trinkt, kann ein manifestes Abhängigkeitsmuster zeigen – gerade die vermeintliche Kontrolle durch selbst gesetzte Pausen kann den Blick auf das eigentliche Problem verstellen.
Häufig gestellte Fragen zu Quartalstrinken und Alkoholismus (FAQ)
Ist man als Quartalstrinker alkoholabhängig?
Nicht jeder Quartalstrinker erfüllt die diagnostischen Kriterien einer Alkoholabhängigkeit – aber das episodische Muster kann eine eigenständige Form der Alkoholkrankheit sein. Entscheidend ist nicht die Häufigkeit, sondern ob in den Trinkphasen ein Kontrollverlust eintritt und ob trotz negativer Folgen weitergetrunken wird.
Warum vertragen manche Menschen Alkohol von Anfang an schlecht?
Die individuelle Alkoholverträglichkeit hängt stark von der Aktivität der Alkohol-Dehydrogenase ab. Bei Menschen mit genetisch bedingter niedriger Enzymaktivität wird das toxische Abbauprodukt Acetaldehyd langsamer abgebaut – das führt zu stärkeren Katersymptomen, Übelkeit und längerer Erholungszeit.
Ist Heißhunger auf Süßes nach dem Aufhören mit Alkohol eine Suchtverlagerung?
In den meisten Fällen nicht. Nach dem Wegfall von Alkohol fehlt dem Gehirn eine gewohnte Dopaminquelle. Zucker liefert schnell Ersatz und stabilisiert gleichzeitig den Blutzucker, der durch chronischen Alkoholkonsum oft gestört ist. Diese Reaktion normalisiert sich bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Wochen bis Monate.
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