- Das hast Du Dir verdient.
- Nüchtern hält man das nicht aus.
- Also heute/jetzt hast Du Dir das aber wirklich verdient!
- XY trinkt auch. Ist mir jetzt scheissegal, ich will jetzt auch einen Wein/Bier/Cremant.
- Das Leben ist zu kurz, um diese Party nüchtern zu verpassen.
- Jajaja, nüchtern ist gesünder und wäre besser, aber Scheiß drauf, das Leben muss doch auch Spaß machen.
- Durst ist schlimmer als Heimweh.
Ich glaube, so flach waren meine Ausreden, wenn ich mich erinnere. Erst einmal hab ich mich anscheinend als Opfer der Umstände gesehen und völlig ausgeblendet, dass diese Umstände …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum erzählt sich das Gehirn bei Alkoholsucht immer wieder dieselben Ausreden – und warum klingen sie so überzeugend?
Was dieser Beitrag beschreibt, ist ein Kernmechanismus der Alkoholabhängigkeit: Das Suchtgedächtnis liefert scheinbar logische Begründungen für den nächsten Drink – oft schneller, als der bewusste Verstand dagegen ankommt. Medizinisch spricht man von suchtspezifischen kognitiven Verzerrungen. Die Ausreden wirken so überzeugend, weil sie an echte Emotionen andocken: Stress, Frust, soziale Situationen. Der präfrontale Kortex, zuständig für rationale Kontrolle, ist durch chronischen Alkoholkonsum in seiner Funktion geschwächt – das Belohnungssystem hingegen reagiert sofort. Dass die Autorin diese Muster heute benennen kann, zeigt eine entscheidende Distanz: Wer die Ausrede als Ausrede erkennt, hat dem Craving bereits einen Teil seiner Macht genommen.
Häufig gestellte Fragen zu Ausreden bei Alkoholsucht (FAQ)
Das Suchtgedächtnis arbeitet unterhalb der bewussten Wahrnehmung. Es verknüpft Trinken mit positiven Erinnerungen und erzeugt Gedanken, die sich wie eigene Überzeugungen anfühlen – in Wirklichkeit sind sie erlernte Reaktionen des abhängigen Gehirns. Gleichzeitig ist die Impulskontrolle im präfrontalen Kortex durch chronischen Alkoholkonsum geschwächt, sodass die rationale Gegenrede oft zu spät kommt.
Warum klingen die eigenen Ausreden zum Trinken so überzeugend?
Der erste Schritt ist, die eigenen Muster zu kennen und sie als das zu benennen, was sie sind: Strategien des Suchtgedächtnisses. Konkrete Methoden sind das Führen eines Ausreden-Tagebuchs, feste Wenn-dann-Pläne für Risikosituationen und der Austausch mit anderen Betroffenen, die dieselben Muster kennen. Je häufiger eine Ausrede bewusst enttarnt wird, desto schwächer wird ihre Wirkung.
Wie kann man typische Trinkausreden im Alltag durchbrechen?
Sie werden seltener und leiser, verschwinden aber nicht vollständig. Das Suchtgedächtnis speichert erlernte Verknüpfungen dauerhaft. Mit zunehmender Abstinenzzeit baut das Gehirn durch Neuroplastizität neue Reaktionsmuster auf, sodass die automatische Ausrede immer weniger Einfluss auf das tatsächliche Verhalten hat.
Hören die Ausreden in der Abstinenz irgendwann auf?
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