Zum Inhalt springen

Urlaub ohne Alkohol – zehn Tipps, damit es dieses Mal klappt

Mountainbiker auf einem Berggrat bei Sonnenaufgang

Urlaub ohne Alkohol – das klingt nach Verzicht, ist aber vor allem Vorbereitung. Diese zehn Tipps helfen Dir, Craving, Sozialdruck und die typischen Urlaubsfallen souverän zu meistern.

Gaby Guzek
Gaby Guzek M.A. Medizinjournalistin · Bestsellerautorin · Sobriety-Coach

Der Koffer ist gepackt, die Vorfreude groß – und dann steht schon am Flughafen der erste Prosecco-Stand. Urlaub ist für viele Menschen, die weniger oder gar nicht mehr trinken wollen, die härteste Bewährungsprobe des Jahres. Nicht, weil der Wille nachlässt, sondern weil fast alles wegfällt, was im Alltag stabilisiert: die Routine, die vertrauten Ausweichstrategien, die Kontrolle über die Umgebung.

Das Suchtgedächtnis kennt keinen Urlaubsmodus. Ganz im Gegenteil. Es reagiert auf Reize – Gerüche, Orte, Stimmungen – und im Urlaub kommen davon besonders viele auf einmal. Poolbar, Sonnenuntergang, gesellige Runde: Das Gehirn hat diese Kombinationen gespeichert und feuert Erwartungssignale, noch bevor der erste Drink überhaupt in Reichweite ist. Wer das weiß, kann sich vorbereiten. Und genau darum geht es hier.

Windsurfer in voller Fahrt auf türkisem Wasser
Aktivurlaub statt Barhocker – wer sein Reiseziel bewusst wählt, gibt dem Belohnungssystem bessere Angebote als Alkohol.

Vor der Reise: Drei Entscheidungen, mit denen Du die Kontrolle behältst

1. Reiseziel bewusst wählen. All-Inclusive-Resorts mit Flatrate-Bar sind kein neutraler Ort, vorsichtig gesagt. Man kann sie auch als absolute Falle bezeichnen, wenn jemand keinen Alkohol trinken will. Sie sind eine Dauerbeschallung für das Belohnungssystem. Wer weiß, dass Dopamin schon bei der bloßen Erwartung von Alkohol anspringt, wählt das Ziel entsprechend: Aktivurlaub, Wandern, Städtetrip, Surfcamp. Alles, was eigene Erlebnisse statt Barhocker liefert.

2. Reisebegleitung einweihen. Ein Satz reicht: „Ich trinke gerade nicht – bitte respektier das, ohne nachzufragen.” Wer das vor der Reise klärt, muss es am Pool nicht mehr erklären. Das spart Energie für die Momente, in denen es tatsächlich eng wird.

3. Den Tagesplan skizzieren. Klingt unromantisch, wirkt aber enorm. Leere Stunden am Nachmittag sind die klassische Einladung zum Entspannungstrinken. Wer grob weiß, was der Tag bringt – Strand am Vormittag, Marktbesuch nach dem Mittagessen, abends Essen gehen – lässt dem Saufdruck weniger Lücken.

Zwei Wanderer auf einem Gebirgspfad im Morgenlicht
Wer morgens aufsteht und sich bewegt, hat drei Stunden Vorsprung – und einen stabileren Kortisolspiegel.

Am Urlaubsort: Struktur schlägt Willenskraft

4. Morgenroutine beibehalten. Ausschlafen bis mittags klingt verlockend, zerlegt aber den Tag. Wer morgens aufsteht, sich bewegt und frühstückt, hat drei Stunden Vorsprung, in denen das Gehirn mit positiven Reizen versorgt wird. Bewegung am Morgen senkt den Kortisolspiegel und stabilisiert die Stimmung – beides Schutzfaktoren gegen Craving.

5. Eigenes Getränk in der Hand. Ein leeres Glas in einer trinkenden Runde erzeugt sozialen Druck und inneren Fokus auf den Mangel. Ein Glas mit Tonic, Bitter Lemon oder Wasser mit Minze und Limette löst beides. Klingt banal, funktioniert zuverlässig.

6. Alkoholfreie Alternativen – aber mit Vorsicht. In vielen Urlaubsländern gibt es inzwischen gute alkoholfreie Weine und Biere. Aber: Alkoholfreies Bier kann ein Trigger sein, weil Geschmack und Ritual alte Muster im Suchtgedächtnis reaktivieren. Wer damit Probleme hat, greift auf Getränke zurück, die mit Alkohol nichts zu tun haben.

7. Restaurants vorher prüfen. In vielen Ländern ist die Getränkekarte online einsehbar. Wer vorher weiß, dass es gute alkoholfreie Optionen gibt, sitzt entspannter am Tisch. Und wer in Gesellschaft bestellt, bestellt zuerst – dann ist die Entscheidung gefallen, bevor die anderen ihre Weinliste durchgehen.

Mountainbiker auf einem Küstentrail mit Blick aufs Meer
Urlaub, der den Puls hochtreibt – ohne dass die Leber dafür bezahlt.

Wenn der Druck kommt: Drei Werkzeuge für den Ernstfall

8. Der HALT-Check. Vier Buchstaben, die fast jedes Craving entschlüsseln: Hungry, Angry, Lonely, Tired – also hungrig, wütend, einsam, müde. Bevor Du zum Glas greifst, frag Dich, welches dieser vier Bedürfnisse gerade ungestillt ist. In den meisten Fällen lässt sich das ohne Alkohol lösen – eine Mahlzeit, ein Telefonat, eine halbe Stunde Ruhe.

9. Die 15-Minuten-Regel. Ein Craving fühlt sich an, als würde es ewig dauern. Tut es nicht. Die Intensität erreicht nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und flacht dann ab. Wer sich sagt: „Ich warte 15 Minuten – dann entscheide ich neu”, gibt dem Rückfallprozess keine sofortige Bühne. In diesen 15 Minuten: Ort wechseln, Wasser trinken, jemanden anrufen.

10. Eine Person, die Du anrufen kannst. Kein Therapeut, kein Berater – einfach ein Mensch, der Bescheid weiß und der ans Telefon geht. Vor der Reise klären, nicht erst im Ernstfall suchen. Ein einziges kurzes Gespräch kann reichen, um die Welle zu brechen. Das ist keine Schwäche. Das ist Vorbereitung.


Gaby Guzek beschreibt in Rückfall adé, wie das Suchtgedächtnis funktioniert – und warum Vorbereitung der beste Schutz gegen den Rückfall ist: Mehr über Rückfall adé erfahren


Mann blickt in einer Bar zuversichtlich in die Kamera als Symbol, dass er die Trink-Trigger erkannt hat und ihnen deshalb trotzen kann. Anzeige für das Buch "Rückfall adé"

Häufig gestellte Fragen zu einem abstinenten Urlaub (FAQ)

Kann ich mit einem alkoholfreien Bier am Pool anstoßen, ohne einen Rückfall zu riskieren?

Das kommt auf die individuelle Vorgeschichte an. Bei manchen funktioniert alkoholfreies Bier gut, bei anderen löst allein der Geschmack ein starkes Verlangen aus – weil Geschmack und Ritual alte Muster im Suchtgedächtnis aktivieren. Wer unsicher ist, greift im Urlaub besser auf Getränke zurück, die keinerlei Verbindung zum Alkohol haben.

Was mache ich, wenn mich im Urlaub plötzlich ein starkes Verlangen nach Alkohol überkommt?

Die 15-Minuten-Regel hilft: Craving erreicht nach wenigen Minuten seinen Höhepunkt und flacht dann ab. Den Ort wechseln, Wasser trinken, jemanden anrufen – und sich bewusst sagen: Ich entscheide in 15 Minuten neu. In den allermeisten Fällen ist das Verlangen dann deutlich schwächer oder ganz verschwunden.

Muss ich meinen Reisepartnern von meinem Alkoholproblem erzählen?

Ein ausführliches Gespräch ist nicht nötig. Ein klarer Satz genügt: „Ich trinke gerade nicht – bitte respektier das.” Das schafft Klarheit, ohne dass Du Dich erklären musst. Wer mit Menschen reist, die diesen Satz nicht akzeptieren, sollte sich fragen, ob das die richtige Reisebegleitung ist.

Welche Reiseziele eignen sich besonders für einen Urlaub ohne Alkohol?

Aktivurlaube wie Wandern, Surfen oder Radreisen funktionieren gut, weil sie eigene Erlebnisse statt Barkultur bieten. Auch Städtetrips mit dichtem Kulturprogramm lenken das Belohnungssystem auf andere Reize. All-Inclusive-Resorts mit Flatrate-Bar sind dagegen riskant, weil sie das Suchtgedächtnis dauerhaft triggern.

Wie gehe ich mit einem Rückfall im Urlaub um?

Ein Rückfall ist kein Totalversagen, sondern ein Signal, dass die Strategie angepasst werden muss. Wichtig: nicht abwarten, bis der Urlaub vorbei ist, sondern sofort zur Abstinenz zurückkehren. Die Kontaktperson anrufen, den Vorfall ohne Selbstverurteilung einordnen und den Rest des Urlaubs bewusst neu planen.

Redaktionelle Texte werden überprüft von Dr. med. Bernd Guzek. Die Inhalte auf dieser Website ersetzen keine ärztliche Beratung.

Aktuelle Beiträge in unserem Blog

Close Popup

Wir müssen Dir kurz auf den Keks gehen

Auch Alkohol adé braucht Cookies. Wir aktivieren aber nur technisch absolut notwendige Cookies, damit Dein Besuch dieser Seite möglichst nicht durch Dritte verfolgt werden kann.

Einige wenige brauchen wir aber - z.B. um diesen Hinweis anzuzeigen, damit Du Dich nicht für jede Seite erneut anmelden oder dieses Popup nicht bei jeder Seite neu sehen musst.

Sowie Du aber einen externen Link oder ein Video anklickst, können von den Betreibern dieser Seiten Cookies gesetzt werden, die wir nicht beeinflussen können. Mehr auf unserer Datenschutzseite.

Close Popup
Privacy Settings saved!
Wir aktivieren nur absolut notwendige Cookies

Auch Alkohol adé braucht Cookies Wir aktivieren nur technisch absolut notwendige Cookies, damit Ihr Besuch dieser Seite möglichst nicht durch Dritte verfolgt werden kann. Einige wenige brauchen wir aber - z.B. um diesen Hinweis anzuzeigen, damit Sie sich nicht für jede Seite erneut anmelden oder dieses Popup nicht bei jeder Seite neu sehen müssen. Sowie Sie aber einen externen Link oder ein Video anklicken, können von den Betreibern dieser Seiten Cookies gesetzt werden, die wir nicht beeinflussen können. Mehr auf unserer Datenschutzseite

Standard-Kategorie

Technisch notwendige Cookies
Folgende technisch notwendige Cookies können gesetzt werden – fast alle haben mit den Datenschutzbestimmungen zu tun: wordpress_gdpr_allowed_services: Speichert, welche zusätzlichen Cookie-Dienste akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_cookies_allowed: Speichert, ob zusätzliche Cookies neben den notwendigen akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_cookies_declined: Speichert, welche zusätzlichen Cookie-Dienste nicht akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_first_time: Wenn der Nutzer keine Entscheidung trifft, sondern weiter auf der Website navigiert, werden alle Cookies aktiviert und das Cookie speichert , ob die aktuelle Seite mit der zuerst besuchten Seite übereinstimmt. wordpress_gdpr_first_time_url: Speichert die URL des ersten Besuches der Webseite.
  • PHPSESSID
  • cookielawinfo-checkbox-non-necessary
  • cookielawinfo-checkbox-necessary
  • viewed_cookie_policy
  • wordpress_test_cookie

Technisch nicht notwendige Cookies
_koko_analytics_pages_viewed Dieses Cookie wird gesetzt vom datenschutzkompatiblen Plugin (Teil der Software) Koko Analytics.  Koko Analytics ist ein datenschutzfreundliches Analyse-Plugin für WordPress. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben. In der von uns benutzten Standardeinstellung werden durch Koko Analytics folgende Daten erhoben: * Besucher (Visitors) * Seitenaufrufe (Pageviews) * Referrers (Herkunftsseiten) Koko nutzt keine externen Dienste, so dass Daten über Ihre Besucher niemals an Drittunternehmen weitergegeben werden. Darüber hinaus werden keine besucherspezifischen Daten erfasst, und die Besucher können die Nachverfolgung leicht unterbinden, indem sie in ihren Browsereinstellungen "Do Not Track" aktivieren.

Alle Cookies ablehnen
Save
Alle Cookies akzeptieren