Auch ich habe mein Leben umgekrempelt, auch mache mehr Sport und esse gesund. Ich treffe mich seltener und eher vis-a-vis mit einer Person. Aber ich hab diese Treffen mit guten Freundinnen in großer Runde oder die Abende mit einer Freundin und einer Flasche Wein am Strand (Kinder im Bett) auch als sehr schön in Erinnerung. Wenn ich das so schreibe grenzt es schon sehr an Verklärung und Romantisierung, über die Schattenseiten brauche ich nicht zu schreiben. Die gab es!
Mir hilft die Gewissheit (trinke seit Mai 2025 nicht mehr), dass ich viele Dinge auch nüchtern schön empfinde. Es gibt Treffen mit Freundinnen, auf die ich mich richtig freue und die dann auch beflügelnd sind. Nicht mehr zuverlässig jeden Freitag „auf Knopfdruck“, aber es gibt sie. Viele Gelegenheiten waren auch einfach nur die Möglichkeit, sich in Stimmung zu bringen, eigentlich hohl. Aber die meinst du nicht, I know. Die Sehnsucht nach dem Rausch wird kleiner aber sie flammt auch immer wieder auf.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Craving in der Abstinenz: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum kehrt die Sehnsucht nach Alkohol auch nach vielen Monaten Abstinenz immer wieder zurück?
Was Du beschreibst, ist in der Suchtmedizin gut bekannt: Das Gehirn speichert vor allem die angenehmen Seiten des Trinkens, Fachleute sprechen von euphorischer Erinnerung. Feste Rituale wie der Freitagabend oder der Wein mit der Freundin am Strand sind im Suchtgedächtnis eng mit Alkohol verknüpft. Solche Erinnerungen können auch nach langer Abstinenz plötzliches Craving auslösen. Mit jeder Woche ohne Alkohol schwächen sich diese Verknüpfungen ab, ganz verschwinden sie aber selten. Entscheidend ist, was Du selbst beobachtest: Nüchterne Treffen, auf die Du Dich freust, schaffen neue positive Erfahrungen. Und dass Du die Verklärung als solche erkennst, ist ein wichtiger Schutz vor Rückfällen.
Häufig gestellte Fragen zu Craving und Sehnsucht nach Alkohol in der Abstinenz (FAQ)
Warum vermisse ich Alkohol, obwohl ich längst abstinent bin?
Das Gehirn verknüpft Alkohol mit Situationen, Menschen und Ritualen. Diese Verbindungen bleiben im Suchtgedächtnis gespeichert und werden durch passende Auslöser wieder aktiviert. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein normaler Lernprozess.
Hört das Craving nach Alkohol irgendwann ganz auf?
Bei den meisten Betroffenen wird das Craving mit zunehmender Dauer der Abstinenz seltener und schwächer. Einzelne Momente der Sehnsucht können aber auch nach Jahren noch auftreten. Wer sie erkennt und einordnen kann, ist deutlich besser vor einem Rückfall geschützt.
Warum erinnere ich mich vor allem an die schönen Seiten des Trinkens?
Fachleute sprechen von euphorischer Erinnerung: Das Gedächtnis hebt die angenehmen Momente hervor und blendet Kater, Streit oder Scham aus. Hilfreich ist es, bewusst auch die Schattenseiten mitzudenken, wenn die Verklärung einsetzt.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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