Mir war die Krankheit damals mit allen ihren Auswirkungen und der Fremdsteuerung meiner Selbst durch den Alkohol auch nicht bewusst. Als sie mich fragte wie ich es einschätze sagte ich damals, ich hielte es für eine reine Willenssache, vom Alkohol loszukommen… da wurde ich leider eines Besseren belehrt, allerdings halte ich es heute für eine Willenssache, für sich die Entscheidung für eine Abstinenz zu treffen und sich einzugestehen, dass man den Alkohol nicht “beherrschen” kann… aber das ist der erste Schritt, und nach einigen Rückfällen und Aufarbeitung meiner Kindheits-Traumata (obwohl ich immer dachte, ich hätte keine) bin in nun zufrieden abstinent, wie du Gaby es sehr gut formulierst. Und ich habe erkannt, das wahre Freiheit darin besteht, das Gift Alkohol nicht mehr zu benötigen.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Alkoholsucht und Willenskraft: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ist es eine Frage des Willens, von der Alkoholsucht loszukommen – und was bedeutet zufriedene Abstinenz?
Die Annahme, man müsse sich nur genug zusammenreißen, ist einer der hartnäckigsten Irrtümer über Sucht. Tatsächlich verändert dauerhafter Alkoholkonsum die Steuerung im Gehirn. Die beschriebene „Fremdsteuerung“ hat mit der Neuroadaptation eine handfeste biologische Grundlage. Der Wille wirkt deshalb an anderer Stelle, als viele glauben: nicht beim Widerstehen gegen jeden Impuls, sondern bei der Entscheidung für die Abstinenz. Dass Belastungen aus der Kindheit erst spät sichtbar werden, ist bei Suchterkrankungen nicht ungewöhnlich, und ihre Aufarbeitung kann viel Druck nehmen. Zufriedene Abstinenz ist dabei das Gegenteil des Dry-Drunk-Syndroms, bei dem jemand zwar nicht trinkt, innerlich aber weiter mit dem Alkohol ringt. Der Weg dorthin führt oft über Rückfälle. Entscheidend ist, dass er weitergeht.
Häufig gestellte Fragen zum Rückfall nach langer Abstinenz (FAQ)
Ist Alkoholsucht eine Frage der Willensschwäche?
Nein. Alkoholsucht ist eine Erkrankung, bei der langjähriger Konsum die Steuerungssysteme im Gehirn verändert. Mit Willenskraft allein lässt sich das Verlangen deshalb kaum dauerhaft unterdrücken. Der Wille ist aber wichtig für die Entscheidung, aufzuhören und sich Hilfe zu holen.
Was bedeutet zufriedene Abstinenz?
Zufriedene Abstinenz heißt, ohne Alkohol zu leben, ohne ihn ständig zu vermissen. Der Verzicht fühlt sich dann nicht mehr wie ein täglicher Kampf an, sondern wie ein Gewinn. Viele Betroffene erreichen diesen Zustand erst nach einiger Zeit und mit Unterstützung.
Können Belastungen aus der Kindheit eine Alkoholsucht begünstigen?
Ja, belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko für eine spätere Sucht deutlich. Oft wird Alkohol unbewusst genutzt, um alte Spannungen zu dämpfen. Eine therapeutische Aufarbeitung kann deshalb ein wichtiger Baustein für eine stabile Abstinenz sein.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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