Gaby Guzek hat in einem Reel für die Facebook-Seite “Ohne ist besser” praxisnah erklärt, was die aktuelle Therapieleitlinie DSM-5 zur Alkoholkonsumstörung sagt. Daraufhin brach ein Shitstorm los. Hier steht, was sie wirklich gesagt hat, was die Leitlinie sagt, warum das wichtig ist – und warum die Shitposter auf Facebook fern jeder Ahnung und Kompetenz kommentieren.

Was meint Ihr, habe ich versucht, beim Bundestreffen der Brauereibesitzer ein sofortiges Bierverbot durchzusetzen? Gott bewahre. Ich habe nur in einem Reel praxisnah erklärt, warum die aktuelle Therapieleitlinie DSM-5 eben genau sagt, dass die Bezeichnung “Alkoholiker” nicht für jeden mit einer Alkoholkonsumstörung ein lebenslänglich zu tragendes Etikett ist.
Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin seit zehn Jahren abstinent, habe mehrere Bücher zum Thema geschrieben und war selber betroffen. Die Materie kenne ich – von innen und von außen.
Das, was ich da erklärt habe, habe ich mir nicht ausgedacht. Das steht so in der DSM-5, der aktuellen Ausgabe des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen. Herausgegeben 2013 von der American Psychiatric Association. Nicht von einer Influencerin, nicht von einer Schnapsbrennerei – sondern von der weltweit maßgeblichen psychiatrischen Fachgesellschaft.
DSM-5: Das sagt die aktuelle Leitlinie verbindlich
Im alten System – dem DSM-IV, gültig bis 2013 – gab es eine scharfe Grenze: Auf der einen Seite „Alkoholmissbrauch”, auf der anderen „Alkoholabhängigkeit”. Abhängig oder nicht abhängig, krank oder gesund, Daumen rauf oder Daumen runter. Das neue DSM-5 hat diese Grenze ersetzt durch etwas, das der Wirklichkeit deutlich näher kommt: ein Spektrum.
Die Alkoholkonsumstörung – so der deutsche Fachbegriff für die englische „Alcohol Use Disorder” – wird heute anhand von elf Kriterien diagnostiziert. Wer innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens zwei davon erfüllt, hat nach DSM-5 eine Alkoholkonsumstörung. Je nachdem, wie viele Kriterien zutreffen, wird sie als leicht, mittel oder schwer eingestuft.

Hier sind alle elf. Keine Angst, das ist kein Medizinerlatein. Lies sie durch, und sei dabei ehrlich mit Dir:
1. Mehr als geplant. Du trinkst öfter mehr oder länger als Du eigentlich vorhattest. Der eine Wein wird zur Flasche, der „kurze Feierabend-Drink” endet um Mitternacht.
2. Aufhören wollen, aber nicht können. Du hast schon versucht, weniger zu trinken oder ganz aufzuhören – und es hat nicht geklappt. Oder Du hast es Dir fest vorgenommen und dann doch nicht durchgezogen.
3. Zeitaufwand. Ein spürbarer Teil Deiner Zeit geht fürs Trinken drauf, für die Beschaffung oder dafür, Dich danach wieder zusammenzusetzen. Der Samstag beginnt mit Kopfschmerzen und einer kaputten Erinnerung.
4. Craving. Du hast ein starkes Verlangen oder den Drang zu trinken. Das muss kein dramatisches Zittern sein – oft reicht der Gedanke „jetzt wäre ein Glas schön”, der sich nicht abschütteln lässt.
5. Pflichten bleiben liegen. Dein Trinken führt dazu, dass Du Dinge nicht mehr schaffst – auf der Arbeit, zu Hause, in der Familie. Nicht weil Du nicht willst, sondern weil es einfach nicht mehr geht.
6. Trotz Ärger weitertrinken. Dein Alkoholkonsum verursacht Probleme mit anderen Menschen – Streit, Enttäuschung, Rückzug – und Du trinkst trotzdem weiter.
7. Hobbys und Freunde fallen weg. Dinge, die Dir früher wichtig waren, machst Du nicht mehr. Sport, Freunde treffen, Kochen – irgendwann wird alles dem Trinken untergeordnet.
8. Riskante Situationen. Du trinkst, obwohl es gefährlich ist. Autofahren nach zwei Bier, Schwimmen, Situationen, in denen Du nüchtern nie ein Glas anfassen würdest.
9. Trotz gesundheitlicher Probleme weitertrinken. Du weißt, dass der Alkohol Dir körperlich oder seelisch schadet – und trinkst trotzdem weiter. Der Arzt hat etwas gesagt, oder Du merkst es selbst.
10. Toleranz. Du brauchst mehr als früher, um denselben Effekt zu spüren. Die zwei Gläser, die vor einem Jahr gereicht haben, tun es längst nicht mehr.
11. Entzugserscheinungen. Wenn Du nicht trinkst, spürst Du körperliche Symptome – Unruhe, Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen. Oder Du trinkst gezielt, um genau diese Symptome zu vermeiden.
Wer zwei oder drei dieser Kriterien erfüllt, hat eine leichte Alkoholkonsumstörung. Vier oder fünf: mittel. Sechs oder mehr: schwer.
Wer zwei oder drei dieser Kriterien erfüllt, hat eine leichte Alkoholkonsumstörung. Vier oder fünf: mittel. Sechs oder mehr: schwer.
Das ist kein Freifahrtschein. Das bedeutet nicht, dass eine leichte Störung harmlos wäre oder sich von selbst erledigt. Aber es bedeutet, dass jemand, der sich in zwei oder drei dieser Punkte wiedererkennt, nicht in derselben Schublade sitzt wie jemand, der alle elf erfüllt. Verschiedene Schweregrade – verschiedene Verläufe – verschiedene Wege heraus.

„Schade, dass es auf Facebook keine KI gibt die solchen Unsinn automatisch löscht”. Ähm, ja. Jetzt muss die Kommentatoren-Gang aber endgültig ganz stark sein, denn niemand wird den DSM-5 für sie löschen …
DSM-5: Die Alkoholkonsumstörung ist keine lebenslange, unheilbare Erkrankung
Das DSM-5 definiert Alkoholkonsumstörung nicht als lebenslange, unheilbare Erkrankung. Im Gegenteil: Das Handbuch geht ausdrücklich davon aus, dass sich das Trinkverhalten ändern und die Störung überwunden werden kann. Deshalb enthält es offizielle Kriterien für die sogenannte Remission – das Nachlassen oder vollständige Verschwinden der Störung:
Frühe Remission: Mindestens drei Monate, aber weniger als zwölf Monate lang wurde keines der elf Kriterien mehr erfüllt.
Anhaltende Remission: Über einen Zeitraum von zwölf Monaten oder länger wurde kein einziges Kriterium mehr erfüllt. Einzige Ausnahme: Das Verlangen nach Alkohol darf noch vorhanden sein – alles andere muss weg sein.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die weltweit maßgebliche psychiatrische Leitlinie sagt: Es gibt einen definierten Zustand, in dem Du die Kriterien für eine Alkoholkonsumstörung nicht mehr erfüllst.
Nicht „in Remission, aber eigentlich immer noch krank”.
Nicht „trocken, aber lebenslang Alkoholiker”.
Sondern: Kriterien nicht mehr erfüllt. Punkt.
Und genau das ist der Satz, der eine bestimmte Gruppe so wütend macht. Denn er widerspricht allem, was man ihnen – teils seit Jahrzehnten – eingebimst hat. Sachargumente spielen da kaum eine Rolle, Beweis nachfolgend …

„Was um alles in der Welt redest du da!!! Überlasse das den Menschen die Kompetenz dazu haben!” Interessanter Ansatz, das mit der Kompetenz. Denn ich referiere nur, was die internationalen Richtlinien sagen, die von Leuten geschrieben wurden, die definitiv mehr Fachwissen als wildgewordene Facebook-Kommentatoren haben.
Und das werde ich auch weiterhin vertreten.
Von Jellinek zu den fünf Typen: Warum der alte Film nicht mehr läuft
Woher kommt eigentlich die Vorstellung, dass ein Alkoholproblem eine einheitliche, chronische, unheilbare Krankheit sei? Die Antwort hat einen Namen: E. M. Jellinek.
Jellinek formulierte in den 1940er und 50er Jahren ein Krankheitsmodell des Alkoholismus, das jahrzehntelang die Medizin, die Therapie und vor allem das öffentliche Bild prägte. In seiner Vorstellung war Alkoholismus eine klar definierte, zwangsläufig fortschreitende Krankheit mit einem vorhersagbaren Verlauf: vom Anfangsstadium über den Kontrollverlust bis zum körperlichen Verfall. Einmal betroffen – immer betroffen. Die einzige Therapie: lebenslange, absolute Abstinenz.
Dieses Modell wurde zur Grundlage des Behandlungssystems, das in weiten Teilen bis heute besteht. Es war ein enormer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger, denn vorher galt Alkoholismus schlicht als Charakterschwäche. Dass Jellinek aus einem moralischen Problem ein medizinisches machte, war historisch wichtig.
Nur: Die Forschung ist seitdem nicht stehen geblieben.
Mark Willenbring, langjähriger Forschungsdirektor am amerikanischen National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA), formulierte es so: Jellineks Modell beschriebe ungefähr neun Prozent der Alkoholabhängigen korrekt. Die Frage ist: Was ist mit den anderen 91 Prozent?
Die Antwort lieferte eine der größten Bevölkerungsstudien zum Thema Alkohol überhaupt: die NESARC-Studie (National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions). Über 43.000 Erwachsene wurden persönlich befragt. Die Ergebnisse waren ein Erdbeben für die Suchtmedizin.
Fünf Typen – nicht einer
Howard Moss und seine Kollegen am NIAAA werteten die NESARC-Daten 2007 aus und identifizierten fünf empirisch unterscheidbare Typen der Alkoholabhängigkeit:
Typ 1: Junge Erwachsene – rund 31 Prozent aller Alkoholabhängigen. Durchschnittsalter 24, seltene Hilfssuche, periodisches Rauschtrinken, wenig psychiatrische Begleiterkrankungen. Die größte Einzelgruppe. Und die, an die niemand denkt, wenn das Wort „Alkoholiker” fällt.
Typ 2: Junge Antisoziale – rund 21 Prozent. Früher Trinkbeginn, häufig antisoziale Persönlichkeitsstörung, zusätzlicher Substanzkonsum.
Typ 3: Funktionale – rund 19 Prozent. Mittleres Alter, berufstätig, gutes Einkommen, familiäre Alkoholbelastung bei der Hälfte. Von außen sieht alles normal aus.
Typ 4: Familiär Belastete mittleren Alters – rund 19 Prozent. Hohe familiäre Alkoholbelastung, häufig Depression oder Bipolare Störung als Begleiterkrankung.
Typ 5: Chronisch Schwere – rund 9 Prozent. Frühester Trinkbeginn, schwerste Ausprägung, fast 80 Prozent mit familiärer Alkoholbelastung über mehrere Generationen, höchste psychiatrische Komorbidität, höchste Behandlungsrate. Und die geringsten Aussichten auf Spontanremission.

Die neun Prozent: Warum absolute Abstinenz für sie lebensrettend ist
Hier wird es ernst, und hier hört die Ironie auf.
Für die Menschen im Cluster 5 – die chronischen, schweren Fälle – ist absolute Abstinenz keine dogmatische Spielerei und kein veraltetes Konzept. Sie ist medizinisch zwingend und alternativlos. Diese neun Prozent haben die höchste familiäre Belastung, die schwersten Verläufe, die meisten psychiatrischen Begleiterkrankungen. Ihre Gehirne sind tiefgreifend verändert, ihr Suchtgedächtnis ist massiv konditioniert. Ein „bisschen weniger” ist für sie keine Option – es wäre lebensgefährlich.
Genau für diese Gruppe leisten Programme wie die der Anonymen Alkoholiker seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit. Die klaren Strukturen, die strikte Abstinenzforderung, die Gemeinschaft, die bedingungslose Unterstützung – all das kann für chronisch schwer Betroffene buchstäblich den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Das verdient Respekt, nicht Häme.
Ein Problem entsteht aber, wenn die Medizin der neun Prozent zur Lösung für alle erklärt wird.
Die anderen 91 Prozent: Warum der Absolutheitsanspruch sie vertreibt
Die NESARC-Studie hat noch etwas anderes gezeigt, das die Vorstellung der unheilbaren Krankheit weiter erschüttert: Rund 72 Prozent aller Menschen, die im Laufe ihres Lebens die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit erfüllten, erreichten eine dauerhafte Besserung. Viele davon ohne formale Therapie. Die meisten hatten nur eine einzige Episode, im Schnitt drei bis vier Jahre lang – und dann war Schluss. Von selbst.
Das bedeutet nicht, dass Hilfe unnötig wäre. Im Gegenteil: Mit Hilfe geht es schneller und sicherer. Und jeder, der heute in einem schweren Stadium angekommen ist, ging einst durch eine solche weniger schwere Phase. Aus der der Ausstieg leichter und mit weniger Opfern verbunden gewesen wäre. Aber es bedeutet, dass die Geschichte „einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker” für die große Mehrheit schlicht nicht stimmt.
Jetzt stell Dir vor, Du bist Anfang dreißig. Du trinkst seit ein paar Jahren zu viel. Du merkst es, und Du hast Angst. Du googelst „Alkoholproblem” und das Erste, was Dir entgegenschlägt, ist: Du bist krank. Für immer. Die einzige Lösung ist lebenslange Abstinenz. Und wenn Du das nicht sofort einsiehst, bist Du in der Verleugnung.
Was tust Du? Genau: Du machst den Browser zu und trinkst weiter. Denn lieber das Problem noch ein paar Jahre ignorieren, als sich ein Etikett aufkleben lassen, das man nie wieder loswird.
Das ist nicht spekulativ. Das ist meine eigene Geschichte. Und die vieler anderer. Ich habe mir jahrelang keine Hilfe geholt, weil ich genau diesen Satz gehört habe: einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker. Und ich bin damit nicht allein. In dem Reel, das den Aufruhr ausgelöst hat, habe ich genau das erzählt.
Der Absolutismus ist gut gemeint. Aber er richtet Schaden an, weil er die Schwelle zur Hilfe höher macht, als sie sein müsste. Wer früh erkennt, dass er zwei oder drei der elf Kriterien erfüllt, braucht keine lebenslange Selbstidentifikation als unheilbar Kranker. Er braucht einen ehrlichen Blick, eine gute Beratung und den Mut, frühzeitig etwas zu verändern. Und diesen Mut zu nehmen, indem man jeden Hilfe-Suchenden gleich ohne Differenzierung ins schwerste Krankheitsbild hineindefiniert – denn dieses “alle über einen Kamm” ist das eigentlich Gefährliche.

Um das auch gleich noch klarzustellen: Kontrolliert trinken geht nicht für Alkoholiker
“Wie erfolglos das Ganze ist, zeigt sich im Forum von www.alkohol-ade.com. Es ist voll von Betroffenen, die teilweise jahrelang versucht haben, kontrolliert zu trinken. Dutzende, wenn nicht hunderte Abstürze später war dann klar: Es klappt nicht.”
Weiterlesen auf Alkohol adé
- Videoblog: Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker?
- Reizthema „Kontrolliertes Trinken”
- Ambulanter Alkoholentzug: Wann er geht – und wann nicht
- Lexikon: DSM-5 – Alcohol Use Disorder
- Lexikon: E. M. Jellinek – Das Krankheitsmodell des Alkoholismus
- Lexikon: NESARC-Studie
Häufig gestellte Fragen zu DSM-5 und Gaby Guzek (FAQ)
Was ist das DSM-5 und was sagt es über Alkoholismus?
Das DSM-5 ist die aktuelle Ausgabe des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen, herausgegeben 2013 von der American Psychiatric Association. Es ersetzt die alte Entweder-oder-Diagnose „Alkoholmissbrauch” versus „Alkoholabhängigkeit” durch ein Spektrumsmodell: Die Alkoholkonsumstörung (Alcohol Use Disorder) wird anhand von elf Kriterien diagnostiziert und in drei Schweregrade eingeteilt – leicht (2–3 Kriterien), mittel (4–5) und schwer (6 oder mehr).
Ist Alkoholismus laut DSM-5 eine lebenslange, unheilbare Krankheit?
Nein. Das DSM-5 geht ausdrücklich davon aus, dass sich das Trinkverhalten ändern und die Störung überwunden werden kann. Deshalb definiert es offizielle Remissionskriterien: Frühe Remission liegt vor, wenn mindestens drei, aber weniger als zwölf Monate lang kein Kriterium mehr erfüllt wurde. Anhaltende Remission bedeutet, dass über zwölf Monate oder länger kein Kriterium mehr zutrifft – einzig gelegentliches Verlangen darf noch vorhanden sein.
Was sind die fünf Subtypen der Alkoholabhängigkeit nach der NESARC-Studie?
Die Forscher Moss, Chen und Yi identifizierten 2007 anhand von über 43.000 Befragten fünf Typen: Junge Erwachsene (31 %), Junge Antisoziale (21 %), Funktionale (19 %), Familiär Belastete mittleren Alters (19 %) und Chronisch Schwere (9 %). Nur der letzte Typ entspricht dem klassischen Bild des „Alkoholikers”, das viele Menschen im Kopf haben.
Für wen ist absolute Abstinenz die einzige Option?
Für die rund neun Prozent im Cluster „Chronisch Schwere” der NESARC-Studie. Sie haben die höchste familiäre Belastung über mehrere Generationen, die schwersten Verläufe und die meisten psychiatrischen Begleiterkrankungen. Für sie ist jeder Rückfall potenziell lebensbedrohlich. Programme wie die der Anonymen Alkoholiker leisten für diese Gruppe seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit.
Warum schadet der Satz 'Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker'?
Weil er Menschen in früheren Stadien davon abhält, sich Hilfe zu holen. Wer merkt, dass er zwei oder drei der elf DSM-5-Kriterien erfüllt, braucht keine lebenslange Selbstidentifikation als unheilbar Kranker – sondern einen ehrlichen Blick und den Mut, frühzeitig etwas zu ändern. Die NESARC-Studie zeigt, dass rund 72 Prozent aller Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit eine dauerhafte Besserung erreichten, viele davon ohne formale Therapie.
Was war der Anlass für diesen Artikel?
Ein Reel von Gaby Guzek auf der Facebook-Seite „Ohne ist besser”, in dem sie die aktuellen DSM-5-Therapierichtlinien laientauglich erklärt hat. Darauf folgte ein Shitstorm mit persönlichen Beleidigungen und inhaltlichen Unterstellungen, die mit dem tatsächlichen Inhalt des Reels nichts zu tun hatten. Der Artikel stellt die Fakten aus der Leitlinie dar und ordnet die Reaktionen ein.
Quellen
- NIAAA: „Alcohol Use Disorder: A Comparison Between DSM–IV and DSM–5.” Offizielle Gegenüberstellung der alten und neuen Diagnosekriterien.
- NIAAA: „Alcohol Use Disorder: From Risk to Diagnosis to Recovery.” Core Resource on Alcohol – umfassende Darstellung von Risiko, Diagnose, Behandlung und Genesung.
- Moss HB, Chen CM, Yi H (2007): „Subtypes of alcohol dependence in a nationally representative sample.” Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 31(5), 761–770.
- Moss HB, Chen CM, Yi H (2010): „Prospective follow-up of empirically derived alcohol dependence subtypes in Wave 2 of the NESARC.” Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 34(6), 1073–1083.
- Dawson DA et al. (2005): „Recovery from DSM-IV alcohol dependence: United States, 2001–2002.” Addiction, 100(3), 281–292.
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5). Washington, DC: APA.
- NIAAA (2007): „Researchers Identify Alcoholism Subtypes.” Pressemitteilung, National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

