Hey, ich bin sheve6, männlich, und stelle mich kurz vor.
Ich habe mit 14 Jahren angefangen. Ich habe Entzüge (zu Hause) hinter mir und hatte Rückfälle.
Mit der Zeit ist mir aufgefallen: Seitdem ich aufgehört habe bin ich so fit und sportlich aktiv wie zu Jugendzeiten (ich bin jetzt Mitte 30). Die Haut ist besser, die Augen klarer, das Gedächtnis besser, die Ausgeglichenheit stärker. Mental bin ich gefestigt. Nach außen hin habe ich meinen wirklichen Konsum damals versteckt.
Aufhören lohnt sich! Gebt nicht auf. Nach dem 3 Anlauf habe ich es geschafft. Am 05.08.2026 bin ich 2 Jahre nüchtern. Ich freue mich, hier zu sein.
Warum bin ich hier: Ich hatte nicht unerhebliche Entzüge zu Hause (Achtung: nicht zwingend zu empfehlen) und unschöne Situationen durch Alkohol. Mir ging es schlecht, ich habe auch Morgens bereits konsumiert, habe aber ansonsten irgendwie immer funktioniert (Arbeit, Familie usw.). Ich möchte nicht, dass diese Zeit in Vergessenheit gerät und ich dadurch fahrlässig werde. Deswegen beschäftige ich mich weiterhin mit den Thema und kann eventuell auch den ein oder anderen Hinweis oder Rat geben. Da mich das Thema auch interessiert, habe ich mich hier angemeldet und lese gerne mit. Ansonsten lese ich fleißig die Beiträge bei „ohne ist besser“. Viele Grüße
@sheve6 hallo und herzlich willkommen! Ich persönlich bin über jeden Rat und Erfahrungsbericht dankbar
Liebe Grüße
Hallo sonne80,
ja, ich teile meine Erfahrungen gerne mit euch. Wenn jemand Hilfe braucht, kann ich zumindest versuchen, aus meinen eigenen Erfahrungen heraus einen Rat oder eine Orientierung zu geben.
Kurz zu meinem Hintergrund und meinem bisherigen Weg:
Alkohol spielte schon früh eine große Rolle in meinem Leben. Mein Vater trank viel und war während meiner Kindheit kaum für uns da. Deshalb habe ich mich früh an älteren Personen orientiert und bei anderen Menschen nach einer Vaterfigur, nach Halt und nach Orientierung gesucht. Viele dieser Personen tranken ebenfalls viel Alkohol.
Auch ich begann früh zu trinken. Alkohol war für mich nicht nur ein Mittel, um Gefühle, Belastungen und Erlebnisse zu verdrängen oder zu unterdrücken. Er diente mir auch dazu, mein Selbstbewusstsein zu steigern, offener zu sein und leichter auf andere Menschen zuzugehen.
Ich trank nicht nur, wenn es mir schlecht ging. Alkohol gehörte für mich ebenso zu Erfolg, Freude, Spaß und besonderen Anlässen. Im Grunde brauchte ich ihn in nahezu jeder Lebenssituation und für fast jedes Gefühl. Er sollte unangenehme Gefühle dämpfen und positive Gefühle noch verstärken.
Heute weiß ich, dass ich auch ohne Alkohol etwas wert bin. Mein Selbstbewusstsein hat sich durch die intensive Arbeit an mir selbst deutlich entwickelt und stabilisiert. Viele Zusammenhänge zwischen meiner Vergangenheit, meinen Gefühlen und meinem Alkoholkonsum habe ich erst während meiner heutigen Nüchternheit wirklich erkannt und aufgearbeitet.
Im Jahr 2011 verlor ich infolge einer Trunkenheitsfahrt mit dem Fahrrad meine Fahrerlaubnis. Im Zusammenhang mit der späteren Wiedererteilung und der MPU war ich bereits einmal etwa anderthalb Jahre nüchtern. Diese Abstinenz beruhte damals jedoch in erster Linie auf dem Ziel, meinen Führerschein zurückzuerhalten.
Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht grundlegend mit meinem Alkoholkonsum, dessen Ursachen oder einer langfristigen Rückfallprävention auseinandergesetzt. Nachdem das konkrete Ziel erreicht war, fehlte mir daher eine tragfähige Grundlage für eine dauerhafte Nüchternheit.
Eigentlich wusste ich insgeheim schon lange, dass ich nicht kontrolliert trinken kann. Ich wollte diese Erkenntnis jedoch nicht wahrhaben und blendete sie immer wieder aus.
Im Laufe der Jahre gab es viele unangenehme Situationen, die durch meinen Alkoholkonsum entstanden. Eine bestimmte Situation war jedoch besonders einschneidend, weil sie nicht nur mich selbst, sondern auch meine eigene kleine Familie betraf. Dieses Ereignis führte schließlich dazu, dass ich erstmals aus eigener Überzeugung ernsthaft aufhörte zu trinken.
Danach war ich 131 Tage nüchtern. Allerdings hatte ich keinen konkreten Plan, wie es langfristig weitergehen sollte. Ich beschäftigte mich nicht ausreichend mit Rückfallprävention und war auf schwierige Situationen oder persönliche Trigger nicht vorbereitet. An Silvester begann ich deshalb wieder zu trinken.
Zunächst ging es eine Zeit lang scheinbar gut. Nach wenigen Monaten hatte ich jedoch das Gefühl, alles „nachholen“ zu müssen. Es folgte eine Woche, in der ich von morgens bis abends nahezu durchgehend trank. Danach ging es mir mehrere Tage lang körperlich und psychisch extrem schlecht.
Ich startete einen weiteren Versuch und war anschließend etwa 150 Tage nüchtern. Eine persönliche Situation löste jedoch erneut einen starken Trigger aus. Da ich auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend vorbereitet war, begann ich wieder zu trinken.
Dieses Mal geriet die Situation noch schneller völlig außer Kontrolle. Innerhalb eines Monats kam es zum vollständigen Absturz. Ich trank Wein, Bier und Schnaps, fühlte mich regelmäßig bereits morgens völlig krank, trank den Kater wieder weg und konsumierte dadurch ungefähr von früh bis abends. Ich möchte mit dieser ausdrücklichen Beschreibung niemanden triggern, sondern lediglich die Situation ehrlich schildern.
Etwa zwei Wochen lang lag ich alkoholisiert fast ausschließlich auf der Couch. Danach ging es mir körperlich und psychisch hundeelend. Ich erinnere mich bewusst an diese Zeit, weil ich niemals vergessen möchte, wohin mich der Alkohol gebracht hat.
Nach beiden Rückfällen machte ich zu Hause allein einen kalten Entzug. Heute weiß ich, dass dies sehr gefährlich und keinesfalls empfehlenswert ist.
Rückblickend hatte ich definitiv schon früher Entzugserscheinungen. Ich wachte nachts völlig verschwitzt auf, zitterte und fühlte mich körperlich sehr schlecht. Damals habe ich diese Symptome jedoch nicht richtig eingeordnet beziehungsweise ausgeblendet, dass sie mit meinem Alkoholkonsum zusammenhängen könnten.
Beim letzten kalten Entzug waren die Beschwerden besonders deutlich. Ich hatte starkes Zittern, massive Schweißausbrüche und nachts Halluzinationen. Das sind Symptome, über die man vielleicht schon einmal gelesen hat, deren tatsächliche Belastung und Gefährlichkeit man sich aber kaum vorstellen kann, solange man sie nicht selbst erlebt hat.
Seitdem habe ich sehr viel an mir gearbeitet. Dazu gehörten unter anderem Meditation, Sport, verschiedene Programme und eine intensive Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit, meinen Gefühlen und meinen Verhaltensmustern.
An einer klassischen Selbsthilfegruppe vor Ort habe ich bisher nicht teilgenommen. Ich habe jedoch bereits Online-Selbsthilfegruppen genutzt und mich dort ausgetauscht – so wie auch hier.
Am 5. August bin ich seit zwei Jahren nüchtern.
Ich beschäftige mich weiterhin intensiv mit dem gesamten Themenbereich. Diese fortlaufende Auseinandersetzung gehört für mich dazu, damit ich aufmerksam bleibe, meine Stabilität erhalte und nicht wieder in alte Muster zurückfalle.
Falls Fragen bestehen, beantworte ich sie gerne.
@sheve6 Hallo und recht herzlich Willkommen. Da hast du einiges mitgemacht.
Ich hätte gleich zwei Fragen. Du schreibst recht ausführlich wie es dir mit dem Alk so ergangen ist und wo du nicht mehr hin willst, auch wie schnell du wieder in der Sucht wahrst. Was ist den dein Ziel?
Du schreibst auch, dass du bei anderen Foren dabei bist oder warst, was ist mit denen?
LG Michl
@sheve6 Willkommen im Forum!
Bald zwei Jahre ohne Nervengift, Entzug zu Hause, wenn auch keine Empfehlung, lese ich daraus, dritter Anlauf hat gehalten — Respekt. Den Entzug zu Hause hab ich auch gemacht, ging mit Gabys Konzept aber weitgehend problemlos durch. Dass Du Dich weiter mit dem Thema beschäftigst, damit die Zeit nicht in Vergessenheit gerät, finde ich richtig. Solche Stimmen braucht das Forum. Ich mache das hier auch schon ein paar Jahre, und es hilft mir.
Was hat beim dritten Anlauf anders funktioniert als bei den ersten beiden?
Jedenfalls aber: Es gibt ein Leben ohne Alkohol, und es ist schön. Du lebst es.
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@lagertha, @natarie, @ulli1962, @bergwacht, @mina
@michl danke für deine Antwort.
Über die Frage nach meinem Ziel habe ich tatsächlich eine Weile nachgedacht. Ich tue mich mit dem Begriff „Ziel“ in diesem Zusammenhang etwas schwer, weil Abstinenz für mich kein Zustand ist, den man einmal erreicht und dann endgültig abhaken kann.
Natürlich könnte ich sagen, dass ich mein Ziel aktuell erreicht habe: Ich lebe nüchtern und möchte nicht mehr dorthin zurück, wo ich mit dem Alkohol bereits war. Dennoch verstehe ich die Arbeit an der eigenen Abstinenz eher als einen fortlaufenden Prozess. Trigger, Cravings, belastende Situationen oder alte Denk- und Verhaltensmuster können immer wieder auftreten. Entscheidend ist für mich deshalb, aufmerksam zu bleiben, diese Dinge rechtzeitig zu erkennen und weiter an mir zu arbeiten.
Wenn ich also ein Ziel benennen müsste, wäre es wohl, meine Abstinenz dauerhaft zu stabilisieren und ein Leben zu führen, in dem Alkohol keine bestimmende Rolle mehr spielt. Ob dieses Ziel jemals im Sinne eines endgültigen Abschlusses erreicht ist, ist wohl eher eine Ansichtssache. Gerade bei diesem Thema halte ich es für wichtig, nicht irgendwann zu glauben, man sei nun vollständig „fertig“ oder müsse nichts mehr für seine Stabilität tun. Für mich geht es daher weniger um einen festen Endpunkt als um eine dauerhafte Entwicklung. Ich habe in den letzten 2 Jahren auch einige Cravings und Trigger gehabt, habe sie teilweise heute noch, aber stark begrenzt. Nur weiß ich besser, damit umzugehen. Ich habe meinen eigenen JGA und meine Hochzeit vor nicht langer Zeit ohne Alkohol gefeiert - dies als Beispiel. Das war auch nicht immer leicht aber es zeigt mir, dass meine eigenen persönlich entwickelten "Maßnahmen" (wenn man das so nennen will) fruchten.
Zu den anderen Foren beziehungsweise Angeboten: Ganz zu Beginn war ich zunächst in einer App aktiv. Zu meiner ersten längeren abstinenten Phase habe ich dann auf einer anderen Plattform ein strukturiertes Programm absolviert und mich dort auch intensiv am Forum beteiligt. Später habe ich noch ein zweites Programm gemacht, um die Inhalte des ersten Programms zu vertiefen. Auch während dieser Zeit war ich im dortigen Forum viel unterwegs und bin dort weiterhin angemeldet.
Die Nutzungsmöglichkeiten sind dort inzwischen allerdings stärker begrenzt beziehungsweise mit relativ hohen Kosten verbunden. Gleichzeitig liegt mein Schwerpunkt heute nicht mehr so stark auf dem umfangreichen Lesen von Beiträgen oder der täglichen intensiven Beschäftigung mit dem Thema. Ich arbeite weiterhin an meiner Abstinenz, aber nicht mehr in demselben zeitlichen Umfang wie zu Beginn. Deshalb passt das Verhältnis von Kosten und persönlichem Nutzen für mich derzeit nicht mehr so gut.
Ich habe mich hier angemeldet, weil ich mal "reinschnuppern", die Seite interessant fand und weiterhin das Thema im Blick behalten möchte.
@harley auch dir danke für deine Antwort
Bei meinem letzten Abstinenzversuch habe ich tatsächlich viele grundlegende Dinge verändert. Ein ganz entscheidender Punkt war für mich, meinen damaligen Freundeskreis weitgehend hinter mir zu lassen, weil dort Alkohol eine große Rolle gespielt hat. Einige Menschen sehe ich gar nicht mehr, andere vielleicht noch zwei- oder dreimal im Jahr (zuvor fast täglich). Leicht war das nicht, aber inzwischen kann ich sehr gut damit leben und bin sogar froh über diese Veränderung. Mittlerweile habe ich einen anderen Freundeskreis, in dem Alkohol kaum eine Rolle spielt.
Außerdem habe ich meinen Tagesablauf neu ausgerichtet und mir konkrete Maßnahmen gegen Trigger und Cravings gesucht und lebe diese dann auch. Besonders geholfen hat mir ein sportliches Hobby, das ich teilweise sogar sehr intensiv betreibe - das brauche ich aber auch. Bewegung und Sport werden meiner Meinung nach oft unterschätzt, weil sie sowohl körperlich als auch mental enorm stabilisieren können.
Ich bin auch offener mit dem Thema umgegangen und habe mich deutlich intensiver mit Alkohol, Abhängigkeit und Rückfallmechanismen beschäftigt. Für mich ist Wissen ein wichtiger Schutzfaktor. Wenn man sich bewusst macht, was Alkohol vom ersten Schluck an körperlich, psychisch, finanziell und persönlich anrichten kann, verändert das den Blick darauf erheblich.
Ebenso wichtig waren konkrete Rückfallmaßnahmen. Wenn es eng wird, stelle ich mir zum Beispiel sehr genau vor, was passieren würde, wenn ich jetzt das erste Bier trinken würde: Wie würde es weitergehen, wo würde ich wieder landen und was würde ich dadurch alles einreißen, was ich mir mühsam aufgebaut habe?
Dazu kamen Meditation, viel Selbstreflexion und die Bereitschaft, mich noch tiefer mit mir selbst auseinanderzusetzen. Das alles klingt rückblickend vielleicht einfacher, als es war. Tatsächlich war es ein harter Weg. Aber mit der Zeit wurde er leichter und vieles konnte ich zunehmend akzeptieren.
Ein ganz entscheidender Punkt war für mich, meinen damaligen Freundeskreis weitgehend hinter mir zu lassen, weil dort Alkohol eine große Rolle gespielt hat.
Exakt da bin ich auch durch. Anders geht es nicht, die ziehen einen immer wieder runter – bzw. versuchen es, weil sie das nicht ertragen, was Du ihnen spiegelst.
Für mich ist Wissen ein wichtiger Schutzfaktor.
Sehe ich auch so. Wobei ich, wenn ich Deine Antwort an @michl mit dem "anderen Forum" richtig interpretiere, Du hier mit Wissen deutlich besser versorgt wirst. Weshalb ich zu denjenigen gehören, die die Betreiber freiwillig unterstützen, denn mir haben sie den Ar... gerettet damals.
Ebenso wichtig waren konkrete Rückfallmaßnahmen. Wenn es eng wird, stelle ich mir zum Beispiel sehr genau vor, was passieren würde, wenn ich jetzt das erste Bier trinken würde
Stimmt wieder 😎 ... weshalb ich gerade zum absoluten Fan des neuen Buchs "Rückfall adé" geworden bin.
Das alles klingt rückblickend vielleicht einfacher, als es war. Tatsächlich war es ein harter Weg.
Das kannst Du laut sagen. Aber es ist extrem wichtig, seine eigenen Verhaltensweisen zu analysieren und ggf. auch zu ändern. Alles Gute weiterhin für Dich!
@harley zu Beginn fand ich es erschreckend und ich habe nicht verstanden, warum ich ausgegrenzt wurde und der Kontakt abbrach. Die „Kumpels“ hielten plötzlich nicht mehr einfach an… erst recht nicht auf eine Limo oder auf einen Kaffee. Denn Bier hatte ich verbannt. Später habe ich verstanden, dass es der Spiegel ist, den sie nicht sehen wollten. Wie du selbst schreibst… da sehen wir viele Dinge ziemlich ähnlich.
So ging ich nach und nach den Weg und vieles wurde mir erst im Laufe der letzten 2 Jahre so richtig klar.
Zum Buch „Rückfall ade“… Ich habe bald Urlaub. Offenbar eine passende Urlaubslektüre für mich 😉

