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Schwangere Frau hält schützend ihren Bauch, in dem ein ungeborenes Kind sichtbar ist. Eine symbolische Spur führt von einem Weinglas zum Fetus; im Kopf deutet ein neuronales Netzwerk die mögliche Störung der Gehirnentwicklung durch Alkohol an. Überschrift: „Fetales Alkoholsyndrom: Wenn Alkohol das ungeborene Kind ein Leben lang zeichnet.“

Fetales Alkoholsyndrom: Wenn Alkohol das ungeborene Kind ein Leben lang zeichnet

Jede Stunde wird in Deutschland mindestens ein Kind mit einer Fetalen Alkoholspektrumstörung geboren. FASD ist damit häufiger als Trisomie 21 – und trotzdem kennt die Erkrankung kaum jemand. Dabei ist sie die einzige schwere Behinderung, die zu hundert Prozent vermeidbar wäre. Hier erfährst Du, was Alkohol im Mutterleib anrichtet, warum die meisten Betroffenen nie eine Diagnose erhalten – und warum das Thema auch Dich als Leser von Alkohol adé betrifft.

Dr. med. Bernd Guzek
Dr. med. Bernd Guzek Arzt & Wissenschaftsjournalist

Was Alkohol im Körper des Ungeborenen anrichtet

Alkohol passiert die Plazenta so frei wie Wasser. Ethanol und sein hoch giftiges Abbauprodukt Acetaldehyd gelangen ungehindert in den Blutkreislauf des Ungeborenen – in voller Konzentration, ohne Filter, ohne Bremse. Und dort bleiben sie deutlich länger als bei der Mutter.

Der Grund dafür ist simpel und erschreckend zugleich: Die Leber eines Embryos kann Alkohol schlicht nicht abbauen. Die Alkoholdehydrogenase, also das wichtigste Enzym zur Entgiftung, wird beim Fetus erst ab der 26. Schwangerschaftswoche überhaupt funktionsfähig. Ein weiteres Abbauenzym, CYP2E1, arbeitet frühestens ab Woche 16. Bis dahin schwimmt das Ungeborene in dem, was seine Mutter trinkt – nur dass es den Stoff nicht wieder loswird. Die Konzentration von Ethanol und Acetaldehyd im kindlichen Blut steigt dadurch höher als bei der Mutter und bleibt länger bestehen.

Das Gehirn des Fetus trifft es am härtesten. Es hat den höchsten Sauerstoffbedarf aller Organe, ist reich an ungesättigten Fettsäuren und verfügt über weniger Antioxidantien als das Blut. Freie Sauerstoffradikale, die durch Acetaldehyd entstehen, lösen dort eine Kettenreaktion aus: Sie erzeugen weitere hochreaktive Verbindungen, sogenannte Superoxide, die Nervenzellen direkt schädigen und in den programmierten Zelltod treiben können. Das Ergebnis sind bleibende Strukturschäden – Hirnareale, die zu klein ausfallen, falsch verschaltet sind oder gar nicht erst richtig angelegt werden.

Doch es gibt noch einen zweiten, weniger bekannten Mechanismus. Acetaldehyd blockiert die Bildung von Retinsäure, einem Vitamin-A-Derivat, das für die embryonale Entwicklung unverzichtbar ist. Retinsäure steuert die Ausbildung von Organen, Geweben und Nervenbahnen. Wird ihre Produktion gehemmt, entstehen Fehlbildungen – an Herz, Nieren, Knochen, Augen und eben im Gehirn. Forscheron der Hebrew University of Jerusalem haben 2018 erstmals nachweisen können, dass dieser Mechanismus ursächlich für einen erheblichen Teil der FASD-Schäden verantwortlich sein dürfte.

Und die Schäden bleiben. Für immer. Denn das fetale Gehirn kann sich nicht regenerieren wie ein Muskel, der sich nach einer Zerrung erholt. Was einmal falsch verdrahtet oder zu klein angelegt wurde, bleibt so.

Wie FASD sich zeigt – und warum es so oft übersehen wird

Fetale Alkoholspektrumstörung – kurz FASD – ist der Oberbegriff für alle Schädigungen, die durch Alkohol in der Schwangerschaft entstehen. Die S3-Leitlinie, die in Deutschland den diagnostischen Standard setzt und zuletzt 2025 aktualisiert wurde, unterscheidet drei Krankheitsbilder innerhalb dieses Spektrums.

Das Vollbild heißt FAS – Fetales Alkoholsyndrom. Betroffene zeigen die typischen Gesichtsmerkmale: verkürzte Lidspalten, eine schmale, glatte Oberlippe und ein kaum ausgebildetes Philtrum, also die Rinne zwischen Nase und Oberlippe. Dazu kommen Kleinwuchs, Untergewicht und oft ein zu kleiner Kopf. Aber dieses Vollbild macht nur einen Bruchteil der Fälle aus.

Das partielle FAS (pFAS) zeigt nur einen Teil dieser äußeren Merkmale, kombiniert mit Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten. Und bei der dritten Variante, ARND – Alcohol-Related Neurodevelopmental Disorder – fehlen die äußeren Merkmale komplett. Die Schäden sind rein neuropsychologisch: Lernstörungen, Impulsivität, gestörte Handlungsplanung, Probleme beim Übertragen von Regeln auf neue Situationen.

Genau hier liegt das Kernproblem: Die typischen Gesichtsveränderungen, an denen viele Ärzte FAS erkennen würden, treten nur bei 20 bis 30 Prozent der Betroffenen in voller Ausprägung auf. Die restlichen 70 bis 80 Prozent sehen völlig unauffällig aus. Ihre Behinderung ist unsichtbar. Sie fallen in der Schule auf, im Beruf, im sozialen Miteinander – aber niemand denkt an FASD. Das Kind gilt als verhaltensauffällig, faul, aggressiv, ungezogen. Der Erwachsene wird als gescheitert abgestempelt.

Die Zahlen sind dabei alles andere als marginal. In Deutschland kommen schätzungsweise 177 von 10.000 Neugeborenen mit irgendeiner Form von FASD zur Welt – das sind fast 13.000 Kinder pro Jahr. Rund 3.000 davon haben das Vollbild FAS. Insgesamt leben laut FASD Deutschland e.V. mehr als 850.000 Menschen in Deutschland mit dieser Behinderung. Um das greifbar zu machen: Das ist ungefähr die Einwohnerzahl von Frankfurt am Main.

Und trotzdem: Die Diagnose fehlt bei den meisten. Rund die Hälfte aller Betroffenen erhält ihre Diagnose erst nach dem optimalen Zeitfenster, das zwischen dem achten Lebensmonat und dem zehnten Lebensjahr liegt. Viele werden nie diagnostiziert. Stattdessen sammeln sie andere Diagnosen an – ADHS, Lernbehinderung, Verhaltensstörung – ohne dass jemand nach der eigentlichen Ursache fragt.

FASD bei Erwachsenen – die vergessene Generation

Aus Kindern mit FASD werden Erwachsene mit FASD. Das klingt banal, aber die Versorgungsrealität in Deutschland zeigt, dass dieser Gedanke noch nicht angekommen ist. Die S3-Leitlinie gilt ausschließlich für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Für Erwachsene existiert bisher keine evidenzbasierte Leitlinie – und eine Diagnosestellung ist im Erwachsenenalter in Deutschland aktuell nur an vier Stellen überhaupt möglich: am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, am kbo-Isar-Amper-Klinikum in München, am LVR-Klinikum in Essen und am Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth in Herzberge, Berlin.

Das Ärzteblatt formulierte es unverblümt: Die Versorgungssituation für Erwachsene mit FASD sei in Deutschland „katastrophal”. Die meisten Therapeuten kennen die Erkrankung nicht, können keine geeigneten Hilfsangebote einleiten, und die vorhandenen Therapiekonzepte passen schlicht nicht – weil sie für andere Störungsbilder entwickelt wurden.

Dazu kommt ein diagnostisches Grundproblem: Im Erwachsenenalter können sich die äußeren Merkmale „ausgewachsen” haben. Der kleine Kopf, die schmalen Lidspalten – was im Kindesalter noch auffiel, kann im Erwachsenengesicht unauffällig geworden sein. Wenn dann auch noch die Vorgeschichte fehlt – zum Beispiel bei Adoptiv- oder Pflegekindern, bei denen niemand weiß, ob die leibliche Mutter in der Schwangerschaft getrunken hat – wird die Diagnose zum Detektivspiel.

Die Folge: Erwachsene mit FASD leben heute oft fehldiagnostiziert oder ganz ohne Diagnose. Manche in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, manche in Justizvollzugsanstalten, manche in der Obdachlosigkeit. Sie scheitern an Ausbildungen, an Beziehungen, am Alltag – und niemand versteht, warum. Nicht einmal sie selbst.

Infografik „Tim – FASD-Diagnose mit 32“: Vier Stationen zeigen Tims Lebensweg vom schwierigen Start als Adoptivkind über Schulprobleme und lange ungeklärte Schwierigkeiten bis zur Diagnose Fetales Alkoholsyndrom (FASD) mit 32 Jahren. Heute klärt Tim gemeinsam mit seiner Adoptivmutter Monika über FASD auf. Ein Foto zeigt Tim als Erwachsenen. Daneben sein Zitat: „Ich will, dass keine Frau mehr Alkohol trinkt, wenn sie schwanger ist. Ich weiß schließlich, wie sich das anfühlt, wenn man FASD hat.“ Unten Verweis auf fasd-wunschkind-tim.de und www.alkohol-ade.com

Tim ist Adoptivkind. Als Kind konnte er körperlich und geistig nicht mithalten, wurde verlacht. Die Schule war eine Katastrophe, eine Ausbildung schaffte er nicht, als junger Erwachsener wäre er um ein Haar obdachlos geworden. Aber niemand wusste, warum. Seine Adoptivmutter Monika war verzweifelt – bis Tim mit 32 Jahren endlich die Diagnose Fetales Alkoholsyndrom erhielt.

Erst da wurde klar: Tim hatte sein ganzes Leben mit einer unsichtbaren Behinderung gekämpft. Heute klärt er gemeinsam mit Monika über FASD auf. Zusammen haben sie ein Buch geschrieben, in dem Tim auch selbst zu Wort kommt. Tim sagt: „Ich will, dass keine Frau mehr Alkohol trinkt, wenn sie schwanger ist. Ich weiß schließlich, wie sich das anfühlt, wenn man FASD hat.”

Mehr über Tim und seine Geschichte: fasd-wunschkind-tim.de


FASD und Sucht – ein doppelter Teufelskreis

Dieser Abschnitt betrifft die Leserschaft von Alkohol adé ganz direkt. Denn FASD und Sucht hängen enger zusammen, als die meisten ahnen – und zwar in beide Richtungen.

Die eine Richtung ist offensichtlich: Alkohol in der Schwangerschaft verursacht FASD. Aber es gibt eine zweite Richtung, über die kaum gesprochen wird. Menschen mit FASD entwickeln selbst überdurchschnittlich häufig eine Suchterkrankung. Die Zahlen sind drastisch: Rund 55 Prozent der Erwachsenen mit FASD sind von einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit betroffen. Bei Depressionen liegt die Rate bei etwa 50 Prozent.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen ist da die frühe Gewöhnung: Das Ungeborene wurde bereits im Mutterleib mit Alkohol konfrontiert. Zum anderen spielen genetische und soziofamiliäre Faktoren eine Rolle – in vielen Fällen stammen FASD-Betroffene aus Familien, in denen Alkohol ohnehin zum Alltag gehörte. Und dann sind da die neuropsychologischen Folgen der Erkrankung selbst: Menschen mit FASD sind häufig impulsiver, unkritischer und leichter verleitbar. Sie haben Schwierigkeiten, Konsequenzen vorherzusehen und Risiken einzuschätzen. Das alles macht sie besonders vulnerabel für eine Suchtentwicklung.

Ein Aspekt, der in der Forschung zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, ist die Epigenetik. Alkohol in der Schwangerschaft verändert nicht nur die Hirnstruktur des Kindes – er hinterlässt auch Spuren an der DNA, sogenannte epigenetische Markierungen. Diese Veränderungen betreffen unter anderem Gene, die für das Dopamin– und das GABA-System zuständig sind – also genau die Botenstoffsysteme, die bei Suchterkrankungen eine zentrale Rolle spielen. Und diese epigenetischen Veränderungen sind nicht nur lebenslang wirksam, sondern können potenziell sogar an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.

Für die Leserschaft von Alkohol adé bedeutet das zweierlei. Wer selbst Kinder hat oder Kinder plant, sollte wissen: Es gibt keine sichere Menge Alkohol in der Schwangerschaft. Und wer selbst mit einer Suchterkrankung kämpft, sollte wissen: Es ist möglich – wenn auch statistisch selten abgeklärt –, dass hinter den eigenen Schwierigkeiten eine nie diagnostizierte FASD steckt. Nicht als Ausrede, sondern als Erklärung. Und als Startpunkt für die richtige Art von Hilfe.

Warum FASD so oft als ADHS fehldiagnostiziert wird

Die Symptomüberschneidung zwischen FASD und ADHS ist erheblich. Beide Störungsbilder gehen mit Aufmerksamkeitsproblemen, Impulsivität und motorischer Unruhe einher. Kinder mit FASD erhalten deshalb häufig zunächst die Diagnose ADHS – und werden entsprechend behandelt, oft mit Stimulanzien wie Methylphenidat.

Das Problem: Die Therapie greift nicht richtig, weil die Ursache eine andere ist. Bei ADHS liegt eine neurobiologische Reifungsverzögerung vor, bei FASD dagegen eine strukturelle Hirnschädigung durch ein Zellgift. Die Aufmerksamkeitsprobleme sehen ähnlich aus, aber die dahinterliegenden Mechanismen unterscheiden sich. FASD-Betroffene haben zusätzlich oft Schwierigkeiten mit dem Arbeitsgedächtnis, der Handlungsplanung und dem Transfer von Gelerntem auf neue Situationen – Defizite, die bei reinem ADHS in dieser Form seltener vorkommen.

Für die Diagnostik bedeutet das: Wenn ein Kind oder Erwachsener auf die gängige ADHS-Therapie nicht wie erwartet anspricht, sollte differentialdiagnostisch auch an eine Fetale Alkoholspektrumstörung gedacht werden – besonders wenn eine pränatale Alkoholexposition nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

Prävention – Null Promille ist die einzige sichere Grenze

Die Prävention von FASD ist medizinisch simpel und gesellschaftlich komplex zugleich. Der medizinische Teil besteht aus einem einzigen Satz: Kein Alkohol in der Schwangerschaft. Es gibt keine sichere Trinkmenge, keine ungefährliche Phase, keinen Alkohol, der weniger schadet als ein anderer. Auch nicht das „eine Glas” zum Geburtstag, nicht die Praline mit Alkoholfüllung und nicht das Medikament in alkoholischer Lösung.

Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass in Deutschland rund 20 Prozent aller Schwangeren weiterhin moderat Alkohol trinken und etwa 8 Prozent sogar gelegentliches Rauschtrinken betreiben. Diese Zahlen sind über die Jahre erstaunlich stabil geblieben – trotz aller Aufklärungskampagnen.

Die gesellschaftliche Seite des Problems ist vielschichtiger. Alkohol ist in Deutschland so tief in den Alltag eingebettet, dass viele Schwangere unter sozialem Druck stehen, mitzutrinken – oder zumindest „das eine Gläschen” nicht so ernst zu nehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Frauen in den ersten Wochen einer Schwangerschaft noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind. Wer in dieser Phase trinkt, hat bereits potenzielle Schäden verursacht, bevor die Schwangerschaft überhaupt bemerkt wird.

Was konkret hilft: Ärzte, Hebammen und Gynäkologen sollten bei jedem Erstkontakt mit Schwangeren klar und unmissverständlich auf die Null-Promille-Regel hinweisen. Partner können eine entscheidende Rolle spielen, indem sie solidarisch auf Alkohol verzichten. Und als Gesellschaft müssten wir aufhören, Alkohol in der Schwangerschaft als Bagatelle zu behandeln. 13.000 geschädigte Kinder pro Jahr sind keine Bagatelle.

Tausche Dich mit anderen Betroffenen und Angehörigen in unserem Alkoholiker-Forum aus.

Buchcover von "Tim: Ein Leben mit dem Fetalen Alkoholsyndrom "

Buch “Tim: Ein Leben mit dem Fetalen Alkoholsyndrom

Monika Reidegeld ist die Adoptivmutter von Tim. Bis ihr Sohn eine Diagnose erhält, stolpert er durch sein Leben. Niemand ahnt, dass er eine unsichtbare und vielfach unbekannte Behinderung namens Fetales Alkoholsyndrom hat. Alle halten ihn für faul, unverschämt und unwillig.

Die Autorin beschreibt die familiäre Verzweiflung, aber auch Tims erstaunliche Entwicklung. Mit diesem Buch möchte sie dazu beitragen, dass diese komplett vermeidbare Behinderung namens FASD ins Licht der Öffentlichkeit getragen und sichtbar wird.


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Häufig gestellte Fragen zur fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD) (FAQ)

Was genau ist FASD?

FASD steht für Fetale Alkoholspektrumstörung und umfasst alle Schädigungen, die durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft beim Kind entstehen. Das Spektrum reicht vom Vollbild FAS mit sichtbaren Gesichtsmerkmalen bis zu rein neuropsychologischen Schäden ohne äußere Auffälligkeiten. Die Hirnschäden sind in jedem Fall irreversibel.

Wie häufig ist FASD in Deutschland?

Schätzungsweise 177 von 10.000 Neugeborenen kommen in Deutschland mit einer Form von FASD zur Welt. Das entspricht fast 13.000 betroffenen Kindern pro Jahr. Damit ist FASD eine der häufigsten angeborenen chronischen Erkrankungen – häufiger als Trisomie 21. Die Dunkelziffer liegt vermutlich noch deutlich höher.

Gibt es eine sichere Menge Alkohol in der Schwangerschaft?

Nein. Es gibt keine wissenschaftlich belegte Trinkmenge, die für das Ungeborene nachweislich unbedenklich wäre. Auch geringe Mengen können das sich entwickelnde Gehirn schädigen. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen deshalb konsequente Abstinenz während der gesamten Schwangerschaft.

Kann FASD auch im Erwachsenenalter noch diagnostiziert werden?

Ja, aber die Diagnosestellung ist im Erwachsenenalter deutlich schwieriger und in Deutschland bisher nur an wenigen spezialisierten Zentren möglich. Äußere Merkmale können sich mit dem Alter zurückbilden, und Informationen über den Alkoholkonsum der leiblichen Mutter fehlen häufig, besonders bei Adoptiv- und Pflegekindern.

Warum entwickeln Menschen mit FASD besonders häufig eine Suchterkrankung?

Rund 55 Prozent der Erwachsenen mit FASD entwickeln eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Das liegt an mehreren Faktoren: der frühen Alkoholexposition im Mutterleib, genetischen und familiären Risiken sowie neuropsychologischen Einschränkungen wie erhöhter Impulsivität und geringerer Risikoeinschätzung. Auch epigenetische Veränderungen an suchtrelevanten Gensystemen spielen eine Rolle.

Kann FASD mit ADHS verwechselt werden?

Ja, die Symptomüberschneidung ist erheblich. Beide Störungsbilder zeigen Aufmerksamkeitsprobleme und Impulsivität. Bei FASD liegt jedoch eine strukturelle Hirnschädigung vor, nicht eine Reifungsverzögerung wie bei ADHS. Wenn eine ADHS-Therapie nicht wie erwartet anspricht, sollte differenzialdiagnostisch an FASD gedacht werden – besonders wenn eine Alkoholexposition in der Schwangerschaft nicht sicher ausgeschlossen werden kann.

Weiterlesen auf Alkohol adé

Weiterführende Literatur

Quellen

Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

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