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Ziel ist nicht allein die Abstinenz

Zufriedener Mann in seiner hellen Hobbywerkstatt betrachtet ein frisch gedrechseltes Stuhlbein; im Hintergrund steht ein fast fertiger Holzstuhl vor dem offenen Garten.

Zufriedene Abstinenz ist mehr als „nicht trinken”. Sie beginnt dort, wo der Alkohol aufhört, im Kopf eine Rolle zu spielen. Was die Forschung über diesen Zustand weiß, warum er biochemisch erklärbar ist und warum „einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker” nicht stimmt.

Gaby Guzek
Gaby Guzek M.A. Medizinjournalistin · Bestsellerautorin · Sobriety-Coach

Es passiert regelmäßig im Alkohol-adé-Forum. Jemand, der vor Monaten oder Jahren als Neuling angefangen hat, schreibt seinen letzten Beitrag. Dankbare Worte an die Community. Dann der entscheidende Satz: „Der Alkohol spielt in meinem Leben einfach keine Rolle mehr. Danke und Tschüss.”

Nennen wir sie Katrin. 47, zwei Kinder, zehn Jahre lang jeden Abend eine Flasche Wein. Irgendwann zwei. Der Ausstieg kam über das Forum, über Bücher, über einen langen Winter, in dem sie sich durch die ersten Wochen kämpfte. Jetzt, anderthalb Jahre später, steht sie am Buffet einer Firmenfeier, neben ihr Sekt und Weißwein – und sie greift zum Wasser. Nicht, weil sie sich zusammenreißt. Nicht, weil sie Angst vor einem Rückfall hat. Sondern weil sie schlicht kein Interesse hat. Der Alkohol ist für Katrin ungefähr so relevant wie gegrillte Mehlwürmer auf dem Buffet: theoretisch verfügbar, praktisch kein Thema.

Das ist zufriedene Abstinenz.

Nicht alle kommen dort an. Manche sind trocken, aber nicht glücklich. Sie kämpfen mit Erschöpfung, Reizbarkeit, depressiven Phasen – obwohl sie seit Monaten oder Jahren keinen Tropfen mehr angerührt haben. In der Fachliteratur heißt das unhappy dry, im Forum sagt man dazu: unglücklich trocken. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen – dem unglücklichen und dem zufriedenen Trockensein – ist kein Zufall, keine Charakterfrage und keine Sache der Einstellung. Er ist biochemisch erklärbar.

Trocken sein ist nicht genug

Abstinenz ist ein Zustand. Zufriedene Abstinenz ist eine Lebensqualität. Das klingt nach Wortspielerei, aber der Unterschied hat medizinische Substanz.

Das amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) hat 2022 eine offizielle Forschungsdefinition von „Recovery” vorgelegt. Darin steckt eine klare Botschaft: Remission allein – also das Wegfallen der Diagnosekriterien – reicht nicht. Recovery umfasst auch die Verbesserung des biopsychosozialen Funktionsniveaus und der Lebensqualität. Auf Deutsch: Wer trocken ist, aber sich elend fühlt, ist noch nicht genesen.


nfografik zum kontrollierten Trinken: „Wer kontrolliert trinken muss, hat es eben nicht unter Kontrolle.“ Ein rotes Kreuz warnt, dass kontrolliertes Trinken nicht funktioniert und aktives Kontrollieren weiterhin auf ein Problem hinweist. Ein grüner Haken erklärt: Wer gar nicht mehr trinken will, ist im medizinischen Sinn kein Alkoholiker mehr. Rechts durchbricht ein jubelnder Mann symbolisch eine Welle aus Bier neben einem Zapfhahn.

Der amerikanische Psychologe Allen Berger, der sich seit Jahrzehnten mit Genesung beschäftigt, beschreibt drei Phasen: getting clean (aufhören), staying clean (durchhalten), living clean (leben). Zufriedene Abstinenz entspricht der dritten Phase. Und sie ist die, über die am wenigsten gesprochen wird – weil die meiste Aufmerksamkeit auf den Ausstieg und das Durchhalten gerichtet ist.

„Nicht ‚ich darf nicht mehr’, sondern ‚ich will gar nicht mehr’.” Das ist der Kipppunkt. Solange Abstinenz ein Verbot ist, das man sich selbst auferlegt, kostet sie Kraft. Wenn sie zur Selbstverständlichkeit wird, setzt sie Kraft frei.

Was die Forschung über zufriedene Abstinenz weiß – und was nicht

Die ehrliche Antwort vorweg: „Zufriedene Abstinenz” ist kein feststehender Forschungsbegriff. Es gibt keine große Studie, die gezielt misst, wie viele trockene Alkoholiker wirklich zufrieden werden – und wie viele im „unglücklich trocken” feststecken. Das ist eine Forschungslücke, und sie ist ärgerlich, weil genau diese Frage für Betroffene die entscheidende ist. Hier wird zu wenig geforscht.

Was es gibt, sind Annäherungen. Die bislang beste kommt aus Madrid.

Das Madrid Recovery Project

Die bislang beste Annäherung liefert eine spanische Untersuchung an 348 Menschen mit Alkoholproblemen in unterschiedlichen Abstinenzphasen – von einem Monat bis zu 28 Jahren – verglichen mit 171 Kontrollpersonen ohne Alkoholproblem.

Die Ergebnisse zeigen vier Erholungsphasen. Die stärksten Verbesserungen bei Wohlbefinden und Lebensqualität fanden die Forscher in den ersten fünf Jahren der Abstinenz. Danach flachte die Kurve ab. Das ist die gute Nachricht: Es geht voran, und zwar messbar.

Die weniger gute: Viele Teilnehmer erreichten auch nach Jahren nicht das Niveau der Kontrollgruppe. Ihre Lebensqualität und ihr psychisches Wohlbefinden blieben unter dem Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung.

Was heißt das? Zufriedene Abstinenz ist kein Automatismus, der sich mit der Zeit von selbst einstellt. Wer nach dem Aufhören einfach abwartet und hofft, landet nicht zwangsläufig dort. Manche brauchen aktive Unterstützung – biochemisch, psychologisch oder beides –, um aus dem „trocken, aber nicht glücklich” herauszukommen.

Wer abstinent lebt, freut sich über eine deutlich höhere Lebensqualität als jemand, der zwar weniger trinkt, aber nicht aufgehört hat. Am stärksten hing die Lebensqualität mit drei Dingen zusammen: der Abstinenz selbst, der Dauer der Genesung und einer stabilen Partnerschaft. Das ergab eine große Befragung unter mehr als 5.000 Menschen, die sich als genesen bezeichneten.

Zusammengenommen ergibt sich ein Bild: Zufriedene Abstinenz ist erreichbar, aber sie kommt nicht von allein. Sie braucht Zeit – und oft braucht sie gezielte Unterstützung.

„Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker” – warum der Satz nicht stimmt

Wer den Satz „Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker stimmt nicht” öffentlich ausspricht, erntet einen Shitstorm. Das habe ich erlebt, als ich in einem Reel die aktuelle Therapieleitlinie DSM-5 praxisnah erklärte. Die Reaktionen reichten von persönlichen Beleidigungen bis zum Wunsch, eine KI möge solche Inhalte automatisch von Facebook löschen. Wir haben das dokumentiert – einschließlich der Frage, warum die Wut so groß ist, wenn man nachprüfbare Fakten ausspricht.

Hier das Wesentliche in Kurzform, weil es für das Verständnis von zufriedener Abstinenz zentral ist:

Das DSM-5 – das weltweit maßgebliche psychiatrische Diagnosehandbuch – kennt den Begriff „sustained remission” (anhaltende Remission): Wer über zwölf Monate hinweg kein einziges Diagnosekriterium mehr erfüllt (einzig gelegentliches Verlangen darf noch vorhanden sein), erfüllt die Diagnose einer Alkoholkonsumstörung nicht mehr. Nicht „in Remission, aber eigentlich immer noch krank”. Sondern: Kriterien nicht mehr erfüllt.

Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel. Weg vom „Alkoholiker” als lebenslanger Identität, hin zur „Alkoholkonsumstörung” als überwindbarem Zustand. Genau das treibt einen Teil der Selbsthilfe-Community in den Wahnsinn – weil es der Ideologie widerspricht, die dort seit Jahrzehnten gepredigt wird.

Die Daten stützen den Paradigmenwechsel. Die große amerikanische NESARC-Studiemit über 43.000 Befragten zeigte: Von den Menschen, die irgendwann die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit erfüllten, erreichten rund 36 Prozent eine Form von Recovery – durch Abstinenz oder risikoarmes Trinken. Mehr als 70 Prozent derjenigen, die ihr Problem lösten, taten das ohne formale Behandlung.

Und die Neuroplastizität des Gehirns liefert die biologische Erklärung dafür, warum das möglich ist. Unter Abstinenz bilden sich strukturelle und funktionelle Veränderungen im präfrontalen Cortex nachweislich zurück. In Tiermodellen setzt sogar Neurogenese ein – das Gehirn bildet neue Nervenzellen. Das Gehirn erholt sich. Nicht bei allen gleich schnell und nicht bei allen vollständig – aber es erholt sich.

Das “zweite Erwachen” des AA-Gründers Bill Wilsons

Bill Wilson war 25 Jahre trocken – aber fortwährend unzufrieden trocken. Der Mitgründer der Anonymen Alkoholiker hatte den Alkohol besiegt, aber nicht die Depression, nicht die Angst, nicht die chronische Erschöpfung, die ihn jahrzehntelang begleiteten. Bill war der Prototyp des „unhappy dry”: abstinent, aber biochemisch aus dem Gleichgewicht.

1960 traf er den kanadischen Arzt und Biochemiker Abram Hoffer bei einer Konferenz in New York, vermittelt durch den britischen Schriftsteller Aldous Huxley. Hoffer forschte an Niacin – Vitamin B3 – als Mittel gegen psychiatrische Symptome. Er verschrieb Bill dreimal täglich 1.000 Milligramm.

Collage mit Bill W. Gründer der AA und dem Suchtmediziner Abram Hoffer

Wenig bekannt, das Thema bei den AA teilweise sogar bekämpft: Deren Gründer Bill W. wurde erst mit einer Hochdosis-Vitamin-Therapie zufrieden trocken.

Mehr dazu – klick hier

Innerhalb weniger Wochen verschwanden Bills chronische Depression und Angst. Er beschrieb es als sein „zweites Erwachen” – das erste war die Entscheidung zur Abstinenz, das zweite das Gefühl, zum ersten Mal wirklich zufrieden abstinent zu leben.

Bill war so überzeugt, dass er das Niacin an 30 AA-Mitglieder weitergab, die trotz jahrelanger Abstinenz ähnliche Beschwerden hatten. Rund ein Drittel fühlte sich innerhalb einer Woche besser. Ein weiteres Drittel brauchte etwa einen Monat. Beim letzten Drittel zeigte sich kein Effekt.

Was war passiert? Der Mechanismus dahinter ist heute besser verstanden als zu Hoffers Zeiten: Alkohol wird im Körper mithilfe des Moleküls NAD abgebaut. Bei chronischem Konsum werden die NAD-Reserven regelrecht aufgebraucht – und NAD ist gleichzeitig unverzichtbar für die Bildung von Dopamin, Serotonin und GABA, also der Nervenbotenstoffe, die Stimmung, Antrieb und Schlaf regulieren. Niacin füllt den NAD-Pool wieder auf – und damit kann das Gehirn seine Botenstoffe wieder in normaler Menge produzieren.

Bill Wilsons Geschichte zeigt in einem Satz, worum es bei zufriedener Abstinenz geht: Das Aufhören allein reicht nicht, wenn die Biochemie im Defizit bleibt. Sein „zweites Erwachen” war kein spirituelles Erlebnis – es war die Normalisierung seines Hirnstoffwechsels.

Wer sich für die ausführliche Geschichte interessiert: Hier gibt es den kompletten Beitrag zu Bill W. und Nährstoffmedizin. Und wer wissen will, welche Nährstoffe über Niacin hinaus eine Rolle spielen, findet alles Weitere in unserem Beitrag „Unzufrieden trocken – was hilft?” sowie im Buch „Alkohol adé”.

Warum Zufriedene sich verabschieden – und Unzufriedene weiterkämpfen

Zurück zu Katrin und zu den Forum-Abschieden. Es fällt auf: Die Mitglieder, die sich verabschieden, tun das mit einer bemerkenswerten Gelassenheit. Kein Drama, kein Triumph, kein „Ich hab’s geschafft”-Pathos. Einfach: Danke, es war gut hier, aber der Alkohol ist für mich kein Thema mehr.

Und dann gehen sie. Das ist das eigentliche Zeichen, dass zufriedene Abstinenz erreicht ist: Der Alkohol wird zum Nicht-Thema. Nicht verdrängt, nicht bekämpft, nicht tapfer ausgehalten – einfach irrelevant.

Wer sich nach vielen Jahren immer noch intensiv mit dem Thema Alkoholkonsum beschäftigt – ohne professionellen Grund, also nicht als Berater, Therapeut oder Gruppenleiter –, der ist vielleicht noch nicht zufrieden abstinent. Das ist ein Bauchgefühl, kein Urteil. Aber es ist eine Beobachtung, die viele im Forum teilen.

Damit zusammen hängt ein Missverständnis: Die Angst, wissenschaftliche Informationen könnten Menschen zum Trinken verleiten. Als würden Tausende von zufrieden Abstinenten nur darauf warten, irgendwo eine Absolution zu lesen, um sofort wieder zur Flasche zu greifen. Das Gegenteil ist der Fall. Zufriedene Abstinenz ist der stärkste Rückfallschutz überhaupt – gerade weil man nicht mehr kämpft. Wer nicht mehr will, braucht keine Warnung.

Die Angst sagt mehr über die Ängstlichen als über die, vor denen sie warnen.

Was Du tun kannst

Zufriedene Abstinenz fällt nicht vom Himmel. Sie hat biochemische Voraussetzungen, und sie lässt sich aktiv unterstützen.

Nährstoffspeicher auffüllen. Chronischer Alkoholkonsum hinterlässt massive Defizite bei B-Vitaminen, Magnesium, Zink, Aminosäuren und Omega-3-Fettsäuren. Solange diese Speicher leer sind, kann das Gehirn seine Botenstoffe nicht in ausreichender Menge produzieren – und ohne die bleibt die Stimmung im Keller. Bill Wilsons Geschichte ist das prominenteste Beispiel, aber bei weitem nicht das einzige. Was konkret hilft und warum, steht ausführlich in unserem Beitrag „Unzufrieden trocken – was hilft?” und im Buch Alkohol adé.

Bewegung. Gilt in der Forschung als einer der wirksamsten natürlichen Dopamin– und Endorphin-Booster. Das muss kein Marathon sein. Regelmäßige Spaziergänge, Schwimmen, Radfahren – alles, was den Körper bewegt, hilft dem Gehirn, sein Belohnungssystem wieder hochzufahren.

Geduld – aber nicht nur Geduld. Das Madrid Recovery Project zeigt: Die stärksten Veränderungen passieren in den ersten fünf Jahren. Das ist einerseits ermutigend – es geht voran. Geduld ist eine biochemische Notwendigkeit,.

Aber: Wenn es nach Monaten oder Jahren nicht besser wird, ist das kein Versagen. Es ist ein Signal, dass aktive Unterstützung nötig ist. Nährstoffdiagnostik, Coaching, ärztliche Abklärung – wer lange unzufrieden trocken bleibt, sollte nicht einfach weiter abwarten.

Austausch. Das Forum von Alkohol adé ist voller Menschen, die genau diesen Weg gehen – vom ersten Tag ohne Alkohol bis zu dem Punkt, an dem sie sich verabschieden, weil der Alkohol kein Thema mehr ist. Andere auf diesem Weg zu begleiten, ist einer der stärksten Schutzfaktoren gegen Rückfall – und einer der schönsten Nebeneffekte der zufriedenen Abstinenz.

Video “Ziel ist nicht die Abstinenz” mit Gaby Guzek

Ziel ist nicht allein die Abstinenz

Transkript: Ziel ist nicht die Abstinenz. Es ist die zufriedene Abstinenz.

Einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker. Der Satz stimmt einfach nicht. Wenn man ihn allerdings ausspricht, obwohl man sich auf den aktuellen Stand der Wissenschaft bezieht, erntet man einen Shitstorm.

Habe ich gelernt. Sofort wird mir immer dann unterstellt, ich würde den Leuten sagen, dass sie ja wieder trinken dürften. Was absoluter Blödsinn ist.

Wer mich kennt, weiß, dass ich immer wieder sage, kontrolliertes Trinken funktioniert nicht. Warum? Wer sein Trinken aktiv kontrollieren muss, hat immer noch ein Problem und sollte es deshalb sein lassen. Ende der Durchsage.

Ich finde es nur erstaunlich, dann die Argumentation zu hören, ja, wenn du das den Leuten erzählst, dann fangen die ja sofort wieder an zu trinken. Nach dem Motto, bitte teile keine wissenschaftlichen Informationen, es könnte die Menschen verunsichern. Was die alle verkennen, ist, dass es einen riesengroßen Anteil unter ehemals Betroffenen gibt, die das gar nicht mehr wollen.

Als würden die alle nur darauf warten, dass sie von irgendwoher eine Absolution bekämen und zack, hängen die alle sofort wieder am Glas oder der Flasche. Quatsch. Das Ziel muss doch sein, nicht die Abstinenz, was hat sie jetzt gesagt? Nein, nicht die Abstinenz, sondern die zufriedene Abstinenz.

Das heißt, ich will gar nicht mehr trinken. Nicht “ich darf nicht mehr”, ich will gar nicht mehr. So, wie es mir heute geht, ich würde auch keine Mehlwurmer essen oder gegrillte Schnecken oder weiß der Devil was.

Genauso in die Kategorie fällt für mich der Alkohol. Das, wie gesagt, ist aus meiner Sicht das Missverständnis und ich setze jetzt mal noch einen oben drauf und das ist jetzt ein bisschen gemein, das ist einfach nur ein Bauchgefühl. Wer sich nach so vielen Jahren, es sei denn, er tut es professionell, sei es als Selbsthilfegruppenleiter oder in der Suchtberatung, wer sich nach so vielen Jahren immer noch mit dem Thema Alkohol, Alkoholkonsum so intensiv beschäftigt, der ist gar nicht zufrieden abstinent.

Patutsch. Das war jetzt gemein, aber ich sehe das doch bei uns im Forum von Alkohol adé. Da verabschieden sich regelmäßig Mitglieder mit den sehr warmen und liebevollen Worten an die Community, wie gut es hier war und wie viel das Ganze geholfen hat, aber der Alkohol, ich zitiere mal mehr oder minder wörtlich, “spielt in meinem Leben einfach keine Rolle mehr und von daher sage ich Danke und Tschüss.”

Und das ist das Ziel. Zufriedene Abstinenz. So, dass der Alkohol irgendwann einfach zum Nicht-Thema wird.

Deshalb eben auch die Aussage, einmal Alkoholiker, immer Alkoholiker ist falsch, denn wenn dieser Gedanke “puff” gemacht hat, irgendwie zu viel und ständig trinken zu müssen, ist man halt keiner mehr. In diesem Sinne, lasst uns alle in eine zufriedene Abstinenz gehen und es gibt eigentlich nichts Geileres im Leben. Mal ganz ernsthaft.

Ciao!

Button "Weiterlesen" - führt den User in das Alkoholiker-Forum von Alkohol adé

Häufig gestellte Fragen zur zufriedenen Abstinenz


Was ist zufriedene Abstinenz?

Zufriedene Abstinenz bedeutet, nicht nur trocken zu leben, sondern sich dabei auch wohl zu fühlen. Der Alkohol spielt keine Rolle mehr – nicht weil man ihn tapfer meidet, sondern weil man ihn schlicht nicht mehr will. Die Forschung zeigt, dass dafür die Erholung des Hirnstoffwechsels entscheidend ist.


Wie lange dauert es, bis man zufrieden abstinent wird?

Das Madrid Recovery Project zeigt, dass die stärksten Verbesserungen bei Lebensqualität und Wohlbefinden in den ersten fünf Jahren der Abstinenz stattfinden. Der Prozess ist individuell – manche spüren den Unterschied nach Monaten, bei anderen dauert es Jahre. Wer lange unzufrieden bleibt, sollte aktiv nach Unterstützung suchen.


Ist man nach langer Abstinenz kein Alkoholiker mehr?

Nach dem DSM-5, dem weltweit maßgeblichen psychiatrischen Diagnosehandbuch, liegt „anhaltende Remission” vor, wenn über zwölf Monate hinweg kein Diagnosekriterium mehr erfüllt wird. Wer diesen Zustand erreicht hat, erfüllt die Diagnose einer Alkoholkonsumstörung nicht mehr. Kontrolliertes Trinken funktioniert trotzdem nicht – wer kontrollieren muss, hat noch ein Problem.


Was kann ich aktiv tun, um zufrieden abstinent zu werden?

Drei Dinge helfen nachweislich: erstens Nährstoffspeicher auffüllen, weil das Gehirn ohne B-Vitamine, Magnesium, Zink und Aminosäuren seine Botenstoffe nicht ausreichend bilden kann. Zweitens regelmäßige Bewegung, einer der stärksten natürlichen Dopamin-Booster. Und drittens Geduld – aber nicht nur Geduld: Wer nach Monaten keine Besserung spürt, sollte ärztliche oder fachliche Hilfe suchen.


Gibt es Studien zur zufriedenen Abstinenz?

Der Begriff „zufriedene Abstinenz” ist in der Forschung nicht offiziell definiert – hier wird zu wenig geforscht. Die beste Annäherung liefert das Madrid Recovery Project (2023), das Wohlbefinden und Lebensqualität bei 348 Personen in unterschiedlichen Abstinenzphasen untersuchte. Ergebnis: Es geht voran, aber nicht alle erreichen das Niveau der Allgemeinbevölkerung.


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Quellen

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