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Hallo,
seit etwas mehr als 5 Monaten bin ich nun dabei, bisher nur als stille Beobachterin. Es wird wohl Zeit, mich auch einmal vorzustellen …
Ich:
56, weibl., verh., 3 wundervolle erwachsene Kinder, 2 wundervolle Enkelkinder (Nr. 3 ist noch unterwegs), Hundemama einer 16järigen Chihuahuadame, seit 25 Jahren selbstständig im Kreativbereich
Ein bisschen von meinem Leben:
Eigentlich glückliche Kindheit, große Schwester (ich liebe dich kleiner Bruder), Musterschülerin aus Eigenantrieb, extrem neugierig, vielseitig interessiert, auffallend künstlerisch begabt, gefördert, niedlich … eigentlich alles ziemlich schön. Trotz allem irgendwie einsam, einsam in mir mit meinen Gedanken, starker Hang zur Melancholie.
Mit der Pubertät verstärkte sich dies immer mehr, zog mir immer mehr zurück, in mich selbst. Las und schrieb viel, malen, malen, malen … Sinn des Lebens? Sinn der Menschheit? …?
Magersucht. Drogenexperimente ... Insofern mein Umfeld etwas mitbekommen hat, konnten sie mich nicht wirklich unterstützen Die Themen waren damals noch nicht so populär, Informationsquellen analog, für meine Familie absolutes Neuland. 1989 Umsiedelung in den „Westen“, Geburt Tochter (in der Schwangerschaft habe ich die Magersucht abgelegt), Ausbildung, Geburt Sohn, Kunststudium, Geburt Tochter, Selbstständigkeit, Sport, Yoga, sozial gut vernetzt und integriert, dazwischen die ein oder andere Beziehungskrise, immer mal alleinerziehend …
Ich und der Alkohol:
Anfangs spielte der Alkohol nur indirekt eine Rolle in meinem Leben. Es gab ihn, andere tranken ihn, ich brauchte ihn nicht, kam für mich auch als Mutter nicht in Frage. Je älter meine Kinder wurden, umso stärker stieg ich in meinen Job ein. Ich brannte für ihn und liebte ihn (liebe ihn immer noch, aber anders), 50 – 60 h Arbeitspensum die Woche waren keine Seltenheit, dabei immer kreativ und espritgefüllt. Langsam zog auch der Alkohol in meinen Leben ein, zur Entspannung, Belohnung, … das Übliche. Mit 50 dann der große Bruch. Wechseljahre mit all ihren „Nettigkeiten“, Ehekrise, mein jüngstes Kind zog zum Studium aus (Jeder Auszug der Kinder, war eine extreme Herausforderung für mich, dieses Loslassen, Herzschmerz … mittlerweile kann ich es schätzen.), Krebsdiagnose, Corona, Umzug in den „Osten“, Einsamkeit; Depressionen … Der Alkohol wurde wichtiger und mehr: Lückenfüller, Druckstandhalter, Kreativitätskatalalysator, Gefühlsdämpfer, ach es gibt so viele „Gründe“. Letztes Jahr dann der totale Einbruch: Krebsdiagnose kleiner Bruder, Tod, Sterbebegleitung Papa, Tod, eine Hündin tot, Tod im Freundeskreis, Tod der 1. große Liebe (Vater meiner Ältesten), überall war Tod … Ich trank immer mehr (bis zu 2 Flaschen Wein täglich). Ich hatte keine Kraft mehr. Ich wollte nicht mehr, es sollte endlich aufhören. Ich habe mich und den Alkohol gehasst … ich wollte Januar dieses Jahres sterben …
Ich und der Entzug:
Mit dem Sterben hat nicht geklappt, was bin ich froh. Mir wurde endlich bewusst, was ich nicht nur mir damit antue … Muss wieder kämpfen, leben, ohne Alkohol. Ich fing an meinen Entzug zu planen, vorzubereiten, sammelte Informationen, speicherte Links (auch dieses Forum) und Apps, informierte meine Lieben … Am 5.2.startete ich meinen kalten Entzug. Mein Mann hatte die ersten Tage frei. Ich hatte Angst und war mir der Risiken bewusst, aber ich wollte es „allein“ schaffen. Es gab einen Notfallplan. Es lief gut. Die ersten Wochen konzentrierte ich mich nur auf meinen Körper, stellte Ernährung um, um die Entgiftung zu fördern, den Körper wieder zu stärken. Machte Termin bei der Suchtberatung, trat einer Selbsthilfegruppe bei, begann wieder Yoga und Mediation zu praktizieren, mich mit mir und meinem Leben auseinander zu setzen und zu stellen. Ich lebte von Tag zu Tag, feierte jeden ohne Alkohol (juchu). Mittlerweile kann ich wieder lachen , Freude zulassen und empfinden … Wow, ich bin trocken! Wow, ist das geil! Momentan habe ich keine Angst (aber Respekt) vor dem Alkohol. Er trifft nicht die Entscheidung, welche Rolle er in meinem Leben spielt. Diese Entscheidung treffe ich! Und ich will nicht!
Bisheriges Fazit:
Nach ausgiebigen Phasen der Selbstreflexion, Schuld und Scham … Ich habe für mich aufgehört Ursachenforschung zu betreiben. Warum ich bin, wie ich bin … Bin ich depressiv? Bipolar? Hochsensibel? Extrovertiert introvertiert? ADHS? Traumatisiert? …? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall bin ich ICH mit all meinen Licht- und Schattenseiten. Meine kleinen Dämonen gehören zu mir und das ist ok so. Ich versuche nicht mehr, sie zu bekämpfen, aus meinen Leben verbannen zu wollen. Das funktioniert nicht. Ich versuche, sie anzunehmen. Sie kommen manchmal, aber sie gehen auch wieder. Ich lasse sie aber nicht mehr mein ganzes Sein ausfüllen … Ich kann und muss nicht alles steuern, was in meinem Leben passiert. Was ich steuern kann ist mein Blick, meine Sicht auf die Dinge. Wie ich sie wahrnehme, interpretiere …
Derzeit übe ich mich in Dankbarkeit und Demut, in Annehmen und Loslassen … Ich übe, Frieden zu schließen, mit mir, meinen Dämonen, dem Leben. Hallo Leben, schön, dass du da bist!
In diesem Sinne: Seid gegrüßt! Seid stolz auf euch! Liebt euch und das Leben in allen Facetten! Und Danke, dass es euch und das Forum gibt!
Namaste!
@harley vielen lieben Dank! Ich bin aktuell wirklich sehr viel hier und lese mir Berichte und Geschichten durch. Jede einzelne berührt mich sehr. Ihr seid aktuell eine große Hilfe für mich. Ich hätte diesen Schritt schon viel früher gehen sollen. Ich bin generell ein ungeduldiger Menschen, das hat mir die Suchtberatung gestern bestätigt. Es wird sicher ein harter Weg. Erste Empfehlung der Therapeutin wäre ein langsames, begleitetes Ausschleichen der Trinkmenge bis auf 0. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das klappt. Daher hole ich mir noch eine zweite Meinung ein. Was haltet ihr davon?
Liebe Grüße
Hat sie Dir das anstelle eines körperlichen Entzuges in der Klinik vorgeschlagen oder warum? Wenn es das nicht ist, dann kann ich Dir als wirklich erfahrener Coach sagen, was ich davon halte: Nichts. Gar nichts. Das funktioniert nicht, produziert nur Frust und Rückfälle.
Es muss ihn geben, diesen Tag Null. Gut vorbereitet, sicher. Aber langsam runtertrinken (wenn es wie gesagt nicht darum geht, körperliche Entzugserscheinungen zu vermeiden) ist einfach wirklich ziemlich weltfremd. Das setzt Kontrolle voraus, Kontrolle über den Konsum. Hauptkennzeichen einer Alkoholsucht ist genau, dass man das nicht kann.
Liebe Grüße
Gaby
@sonne80 wenn mir das jemand gesagt hätte, hätte ich gesagt, super das mach ich, ist eh leicht und so logisch.
Nur weiß ich zu genau, nach dem zweiten Bier hätte ich den Anfang vom runtertrinken immer auf den nächsten Tag verschoben und dann würde ich heute noch langsam absetzen.
