Funktion der Alkohol-Dehydrogenase im Körper #
Die Alkohol-Dehydrogenase wandelt getrunkenen Alkohol zunächst in Acetaldehyd um – eine Zwischenstufe, die der Körper weiter entgiften muss. Ohne dieses Enzym wäre Alkohol für Menschen deutlich schlechter verträglich. Leber und Magen spielen dabei die Hauptrolle, wobei Frauen im Durchschnitt weniger ADH im Magen haben als Männer. Dadurch steigt der Alkoholspiegel schneller an.
Warum reagieren Menschen unterschiedlich auf Alkohol? #
Mehrere biologische Faktoren bestimmen, wie schnell und wie gut ein Mensch Alkohol abbauen kann. Wie aktiv dieses Enzym arbeitet, ist individuell verschieden. Manche bauen Alkohol langsam ab und regieren schneller mit körperlichen Beschwerden. Andere wirken „trinkfester“, weil ihr Körper den Alkohol zügiger verarbeitet. Einfluss nehmen unter anderem:
- genetische Varianten von ADH und ALDH
- Körpergewicht und Zusammensetzung
- Ernährung und Zinkstatus
- Gewöhnung und Trinkmuster
- Gesundheit von Leber und Magen
In Ostasien und einigen indigenen Bevölkerungsgruppen kommen Varianten vor, die Alkohol extrem schnell zum hoch giftigen Acetaldehyd umbauen. Gleichzeitig ist die Entgiftung von Acetaldehyd dort häufiger verlangsamt. Die Folge ist die bekannte „Flush-Reaktion“ mit Erröten, Herzklopfen und Übelkeit. Diese Kombination kann vor Alkoholabhängigkeit schützen, weil der Konsum schnell unangenehm wird.
Bedeutung von Zink für das Enzym #
Die Alkohol-Dehydrogenase ist ein zinkhaltiges Enzym. Ohne Zink funktioniert das aktive Zentrum schlechter. Ein ausgeprägter Zinkmangel kann deshalb den Alkoholabbau verlangsamen und Beschwerden verstärken.
Reaktionen des Körpers auf dauerhaft hohen Alkoholkonsum #
Bei dauerhaft hohen Mengen schaltet der Körper ein zweites Abbausystem zu, das jedoch mehr aggressive Sauerstoffverbindungen bildet und die Leber zusätzlich belastet. Gleichzeitig verschiebt Alkohol den Energiestoffwechsel:
- der Blutzucker kann stärker abfallen
- Fette lagern sich leichter ein
- Milchsäure kann schneller ansteigen
ADH und ihre Rolle bei Vergiftungen durch Methanol und Ethylenglykol #
Die Alkohol-Dehydrogenase baut nicht nur Alkohol, sondern auch Methanol und Ethylenglykol ab. Dabei entstehen jedoch hochgiftige Stoffe. In solchen Notfällen blockiert man das Enzym gezielt, damit diese Giftstoffe gar nicht erst entstehen, bis der Körper sie ausscheiden kann.
Fazit #
Die Alkohol-Dehydrogenase bestimmt, wie schnell Alkohol abgebaut wird und wie stark er auf Körper und Wohlbefinden wirkt. „Trinkfestigkeit“ ist deshalb kein Zeichen von Gesundheit, sondern Ausdruck biochemischer Besonderheiten, die für Leber, Stoffwechsel und das Risiko einer Abhängigkeit Folgen haben können.
Kurz erklärt
Die Alkohol-Dehydrogenase (ADH) ist das wichtigste Enzym für den Abbau von Alkohol. Sie bestimmt, wie schnell der Körper Ethanol verarbeitet, wie stark Acetaldehyd entsteht und warum Menschen Alkohol unterschiedlich vertragen.
Häufig gestellte Fragen zur Alkohol-Dehydrogenase (FAQ) #
Kann man die Aktivität der Alkohol-Dehydrogenase erhöhen?
Nicht gezielt. Der Körper arbeitet innerhalb seiner individuellen Grenzen. Weder Kaffee noch kalte Duschen beschleunigen den Abbau merklich. Entscheidend sind Lebergesundheit, Zinkstatus und die Zeit, die der Körper benötigt.
Nein. Wer Alkohol schnell abbaut, spürt die Wirkung schwächer und trinkt oft mehr, was langfristig die Leber belastet und das Risiko einer Abhängigkeit erhöhen kann.Ist hohe Trinkfestigkeit ein Zeichen guter Gesundheit?
Häufig liegt eine Kombination aus schneller ADH und langsamer ALDH vor. Acetaldehyd sammelt sich schneller an und löst die typischen Beschwerden wie Erröten, Herzklopfen und Übelkeit aus.Warum reagieren manche Menschen mit Flush und Übelkeit auf kleine Mengen Alkohol?
Ja. Zink stabilisiert das Enzym und ist für die Reaktion notwendig. Ein deutlicher Zinkmangel kann die Verträglichkeit verschlechtern.Spielt Zink wirklich eine Rolle beim Alkoholabbau?
Dr. med. Bernd Guzek #
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.