Acetaldehyd ist ein hochreaktives, giftiges Stoffwechselprodukt, das beim Abbau von Alkohol entsteht. Sobald wir Ethanol trinken, beginnt die Leber mit der Entgiftung. Das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH) wandelt Ethanol zunächst in Acetaldehyd um. Dieses Zwischenprodukt ist wesentlich toxischer als Alkohol selbst und gilt als Hauptverantwortlicher für viele akute und langfristige Schäden.
Unter normalen Bedingungen wird Acetaldehyd rasch weiterverarbeitet. Ein zweites Enzym, die Aldehyddehydrogenase (ALDH), baut es in Essigsäure um. Dieser Stoff ist harmlos und wird anschließend im Energiestoffwechsel verwertet oder über die Nieren ausgeschieden. Problematisch wird es, wenn die ALDH überlastet ist oder genetisch bedingt schwächer arbeitet. Dann steigt der Acetaldehydspiegel im Körper an. Das führt zu Übelkeit, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und dem typischen „Verkatertsein“. Gleichzeitig greift Acetaldehyd Proteine, DNA und Zellmembranen an, was langfristig die Entstehung von Krebs, Herzmuskelschäden und Nervenschäden begünstigt.
In der chemischen Industrie ist Acetaldehyd ein wichtiger Grundstoff für Kunststoffe, Parfüms, Lösemittel, Farbstoffe und sogar explosive Verbindungen.
Acetaldehyd ist nicht nur ein Abfallprodukt des Alkoholabbaus. In der chemischen Industrie ist es ein wichtiger Grundstoff für Kunststoffe, Parfüms, Lösemittel, Farbstoffe und explosive Verbindungen. Man kann sagen: Das Zeug, das wir beim Alkoholtrinken unfreiwillig produzieren, steckt sonst in Lacken und Industriechemikalien – nicht gerade das, was man im Körper haben möchte.
Dr. med. Bernd Guzek #
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.