Eine Panikattacke ist eine plötzliche, heftige Welle aus Angst und körperlichen Beschwerden, die ohne äußere Gefahr auftritt und innerhalb von Minuten ihren Höhepunkt erreicht. Wer eine Panikattacke erlebt, fühlt sich oft, als würde er sterben oder den Verstand verlieren. Das ist zwar sehr real und beängstigend, aber nicht gefährlich. Panikattacken dauern meist 5 bis 20 Minuten und klingen dann von selbst wieder ab.
Typische Anzeichen einer Panikattacke #
Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein, aber häufig treten auf:
Rasender Herzschlag oder Herzstolpern, Schwitzen, Zittern, Kurzatmigkeit oder das Gefühl zu ersticken, Schwindel, Kribbeln in Händen oder Gesicht, Übelkeit sowie ein starkes Gefühl von Bedrohung oder Kontrollverlust. Viele Betroffene rufen wegen dieser Symptome den Notarzt, weil sie einen Herzinfarkt vermuten. Tatsächlich sind Panikattacken körperlich harmlos, aber das macht sie nicht weniger belastend.
Was im Körper passiert: die Biochemie dahinter #
Eine Panikattacke ist im Grunde eine fehlgeleitete Stressreaktion. Das Gehirn bewertet eine Situation als lebensbedrohlich, obwohl sie es nicht ist. Daraufhin schüttet die Nebenniere große Mengen Adrenalin und Noradrenalin aus. Das Herz schlägt schneller, die Muskeln werden besser durchblutet, die Atmung wird flacher und schneller. Der Körper bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Amygdala, ein mandelförmiger Bereich im Gehirn, der als innere Alarmanlage funktioniert. Bei Menschen mit Panikstörung reagiert die Amygdala auf bestimmte Reize übermäßig stark. Gleichzeitig gerät das autonome Nervensystem aus dem Gleichgewicht: Der Sympathikus, der für Aktivierung und Alarm zuständig ist, übernimmt die Kontrolle, während der Parasympathikus, der für Entspannung sorgt, kaum noch bremsen kann.
Auch der Botenstoff GABA spielt eine wichtige Rolle. GABA ist der wichtigste hemmende Botenstoff im Gehirn und wirkt beruhigend auf das Nervensystem. Ist GABA-Aktivität zu gering, bleibt das Nervensystem in einem dauerhaften Alarmzustand, aus dem Panikattacken leicht entstehen können.
Hyperventilation: der Teufelskreis #
Wer in Panik gerät, atmet oft zu schnell und zu flach. Dadurch sinkt der CO₂-Gehalt im Blut. Das klingt erstmal harmlos, löst aber weitere körperliche Reaktionen aus: Kribbeln, Schwindel, Taubheitsgefühle. Diese Symptome werden dann wieder als bedrohlich erlebt, was die Panik weiter anheizt. Ein klassischer Teufelskreis.
Alkohol und Panikattacken: eine gefährliche Wechselwirkung #
Viele Menschen greifen zu Alkohol, um Angst oder innere Unruhe zu dämpfen. Das kann kurzfristig funktionieren, weil Alkohol die GABA-Aktivität im Gehirn vorübergehend erhöht und damit eine beruhigende Wirkung erzeugt. Genau das macht ihn für Angstbetroffene so verlockend.
Das Problem: Der Körper gewöhnt sich an diesen künstlichen GABA-Schub. Er reduziert die eigene GABA-Produktion und erhöht gleichzeitig die Aktivität erregender Botenstoffe wie Glutamat. Sobald der Alkohol abbaut, schlägt das System in die andere Richtung aus. Das Nervensystem ist nun überreizt, Angst und innere Unruhe nehmen zu, Panikattacken werden wahrscheinlicher.
Dieser Effekt tritt schon nach wenigen Stunden auf, klassisch als Kater bekannt, und ist bei regelmäßigem Konsum besonders ausgeprägt. Im Alkoholentzug können Panikattacken sogar zu den schwersten körperlichen Entzugssymptomen gehören, weil das Nervensystem ohne die dämpfende Wirkung des Alkohols quasi nackt und schutzlos dasteht.
Langzeitfolgen bei Alkoholabhängigkeit
Wer über längere Zeit regelmäßig oder stark trinkt, verändert dauerhaft die Balance seines Nervensystems. Die Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, kurz HPA-Achse) wird chronisch überaktiviert. Cortisol, das wichtigste Stresshormon, ist dauerhaft erhöht. Das macht das Gehirn empfindlicher für Bedrohungen und senkt die Schwelle, ab der eine Panikattacke ausgelöst wird.
In der Abstinenz braucht das Nervensystem Zeit, sich wieder zu normalisieren. Panikattacken in den ersten Wochen und Monaten nach dem letzten Drink sind keine Seltenheit und kein Zeichen dafür, dass etwas grundsätzlich nicht stimmt. Sie sind Ausdruck eines Gehirns, das sich nach langer Belastung langsam neu kalibriert.
Was hilft bei Panikattacken?
Wer Panikattacken kennt, kann lernen, mit ihnen umzugehen. Bewährte Methoden sind langsames, bewusstes Atmen (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus), Erdungsübungen (bewusstes Wahrnehmen von Gegenständen, Geräuschen oder Berührungen) sowie kognitive Verhaltenstherapie, die gezielt hilft, die Fehlbewertung von körperlichen Empfindungen zu korrigieren. Bei schweren oder häufigen Panikattacken ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll, auch um organische Ursachen auszuschließen.
Betroffene berichten auch, dass sie ihre Attacken noch Einnahme von GABA-Supplementen dämpfen können. Wie wohl das bislang erst durch wenige, kleine Studien untersucht und bestätigt wurde, ist es ein interessanter Ansatz.
Wichtig für Menschen in der Abstinenz: Das Risiko, Panikattacken mit Alkohol zu behandeln, ist groß. Wer versteht, warum Alkohol das Problem langfristig verschlimmert statt löst, hat eine bessere Grundlage, um standzuhalten.
Eine Panikattacke ist eine plötzliche, sehr intensive Angstreaktion mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Kurzatmigkeit, Zittern und Schwindel. Sie entsteht, wenn das Gehirn fälschlicherweise Alarm schlägt, obwohl keine echte Gefahr besteht. Panikattacken sind körperlich harmlos, aber sehr belastend. Sie klingen meist nach 5 bis 20 Minuten von selbst ab. Was ist eine Panikattacke?
Alkohol erhöht kurzfristig die GABA-Aktivität im Gehirn und wirkt beruhigend. Der Körper gleicht das jedoch aus, indem er die eigene GABA-Produktion drosselt. Wenn der Alkohol abbaut oder ganz wegfällt, ist das Nervensystem überreizt. Dieser Zustand fördert Angst und Panikattacken, besonders in den ersten Wochen der Abstinenz. Warum bekommt man nach dem Trinken oder im Entzug Panikattacken?
Ja. Wer regelmäßig oder stark trinkt, verändert auf Dauer die Chemie seines Nervensystems. Die Stressachse wird überaktiviert, das Stresshormon Cortisol dauerhaft erhöht. Das macht das Gehirn empfindlicher für Bedrohungen und senkt die Schwelle für Panikattacken, auch nüchtern und auch noch Monate nach dem letzten Drink. Kann Alkohol Panikattacken dauerhaft verursachen?
Ja, das ist häufig und normal. Das Nervensystem braucht nach langer Alkoholbelastung Zeit, um sich neu einzupendeln. Panikattacken in den ersten Wochen oder Monaten der Abstinenz sind kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft. Sie zeigen, dass sich das Gehirn langsam erholt und neu kalibriert. Ist es normal, in der Abstinenz mehr Panik zu haben als beim Trinken?
Langsames Atmen hilft am schnellsten: 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen. Das bremst das überaktive Nervensystem. Erdungsübungen, bei denen man sich bewusst auf die Umgebung konzentriert, können ebenfalls helfen. Wer häufig Panikattacken hat, sollte professionelle Unterstützung suchen, zum Beispiel eine kognitive Verhaltenstherapie. Was kann man tun, wenn eine Panikattacke kommt?
Dr. med. Bernd Guzek #
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.