Lipopolysaccharide — abgekürzt LPS — sind Bestandteile der äußeren Hülle bestimmter Bakterien, die im Darm leben. Für den Körper sind sie ein eindeutiges Alarmsignal: Wo LPS auftauchen, weiß das Immunsystem, dass etwas nicht stimmt.
Solange die Darmwand intakt ist, bleiben LPS dort, wo sie hingehören — im Darminneren. Problematisch werden sie erst, wenn die Darmbarriere durch Leaky Gut durchlässig wird und LPS ins Blut gelangen.
Was LPS im Körper auslösen #
LPS, die ins Blut gelangen, nehmen den direkten Weg über die Pfortader zur Leber. Dort aktivieren sie die Kupffer-Zellen — die Immunwächter der Leber — über einen Rezeptor namens TLR4. Die Reaktion: eine Entzündungskaskade mit Ausschüttung von Botenstoffen wie TNF-alpha und IL-1beta. Diese Entzündungsbotenstoffe schädigen Leberzellen und erhöhen gleichzeitig die Durchlässigkeit der Darmwand weiter — ein Kreislauf, der sich selbst antreibt.
Bei chronischem Alkoholkonsum ist die LPS-Belastung im Blut dauerhaft erhöht. Forscher bezeichnen diesen Zustand als Endotoxämie. Er gilt als einer der zentralen Mechanismen hinter alkoholischer Fettleber, Hepatitis und Leberzirrhose.
LPS und das Gehirn #
LPS bleiben nicht auf die Leber beschränkt. Über den Blutkreislauf erreichen sie auch das Gehirn und können dort Entzündungsprozesse anstoßen. Aktuelle Forschung zeigt Zusammenhänge zwischen erhöhten LPS-Spiegeln und dem Entzündungsmarker IL-8 — einem Botenstoff, der bei AUD-Patienten direkt mit der Stärke des Cravings, also des Alkoholverlangens, korreliert. Der Darm beeinflusst damit nicht nur die Leber, sondern möglicherweise auch den Trinkhunger selbst.
LPS sind eng mit Dysbiose und Leaky Gut verknüpft — und über die Darm-Hirn-Achse Teil eines größeren Zusammenhangs, der erklärt, warum Alkohol nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche und das Suchtverhalten beeinflusst.
Was sind Lipopolysaccharide?
Lipopolysaccharide (LPS) sind Bestandteile der äußeren Hülle gramnegativer Darmbakterien. Für das Immunsystem sind sie ein starkes Alarmsignal. Im gesunden Darm bleiben sie im Darminneren. Wenn die Darmwand durch Leaky Gut durchlässig wird, gelangen sie ins Blut und lösen systemische Entzündungsreaktionen aus.
Was haben LPS mit Alkohol zu tun?
Alkohol schädigt die Darmwand und fördert das Wachstum LPS-produzierender Bakterien. Beides zusammen führt dazu, dass erhöhte Mengen LPS ins Blut gelangen. Dieser Zustand — Endotoxämie genannt — ist ein zentraler Mechanismus hinter alkoholischen Leberschäden und systemischer Entzündung.
Wie schädigen LPS die Leber?
LPS gelangen über die Pfortader direkt zur Leber und aktivieren dort die Kupffer-Zellen, die Immunwächter des Organs. Diese schütten Entzündungsbotenstoffe aus, die Leberzellen angreifen. Bei dauerhaft erhöhter LPS-Belastung kann das zu Fettleber, Hepatitis und Zirrhose führen.
Dr. med. Bernd Guzek #
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.