Histidin ist eine Aminosäure, die Dein Körper nicht selbst herstellen kann. Er muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Aus Histidin entsteht der Botenstoff Histamin, und genau an dieser Stelle kommt Alkohol ins Spiel.
Was ist Histidin? #
Histidin gehört zu den Bausteinen, aus denen der Körper Eiweiße zusammensetzt. Früher galt es als nur teilweise lebensnotwendig, weil man glaubte, Erwachsene könnten es selbst bilden. Heute weiß man: Auch Erwachsene sind auf Histidin aus der Nahrung angewiesen. Es zählt deshalb zu den essentiellen Aminosäuren.
Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse. Wer sich halbwegs ausgewogen ernährt, bekommt in der Regel genug Histidin. Ein echter Mangel ist selten und tritt vor allem bei schwerer Mangelernährung auf.
Wofür der Körper Histidin braucht #
Histidin steckt in vielen wichtigen Eiweißen. Ein Beispiel ist der rote Blutfarbstoff Hämoglobin. Dort hilft Histidin, das Eisen an seinem Platz zu halten, damit Sauerstoff transportiert werden kann. Außerdem kann Histidin Säuren abpuffern. In den Muskeln ist es Teil von Carnosin, das bei Anstrengung die Übersäuerung abfedert. In manchen Enzymen bindet Histidin Metalle wie Zink.
Beim Abbau von Histidin entsteht Glutaminsäure. Für diesen Abbau braucht der Körper Folsäure. Fehlt sie, stockt der Abbau, und ein bestimmtes Zwischenprodukt sammelt sich an. Früher haben Ärzte genau das genutzt, um einen Folsäuremangel nachzuweisen. Für Menschen mit Alkoholproblemen ist das relevant, denn Folsäuremangel ist bei ihnen sehr häufig.
Vom Histidin zum Histamin #
Die bekannteste Aufgabe von Histidin ist die Herstellung von Histamin. Dafür reicht ein einziger chemischer Schritt. Das zuständige Enzym braucht als Helfer Vitamin B6.
Histamin wird an mehreren Stellen im Körper gebildet. Den größten Teil stellen bestimmte Abwehrzellen her, die Mastzellen. Sie schütten Histamin bei Allergien und Entzündungen aus. Das sorgt für Rötung, Schwellung und Juckreiz. Im Magen regt Histamin die Bildung von Magensäure an. Im Gehirn wirkt es als Wachmacher. Deshalb machen viele Allergiemittel, die Histamin blockieren, müde.
Histidin, Histamin und Alkohol #
Alkohol bringt das Histamin-Gleichgewicht auf mehreren Wegen durcheinander. Erstens enthalten viele alkoholische Getränke selbst Histamin, vor allem Rotwein und manche Biere. Es entsteht bei der Gärung aus dem Histidin der Trauben oder des Getreides. Zweitens steht Alkohol im Verdacht, das Enzym Diaminoxidase zu bremsen. Es baut Histamin aus der Nahrung im Darm ab. Drittens kann Acetaldehyd, das giftige Abbauprodukt von Alkohol, die Mastzellen zur Ausschüttung von Histamin anregen.
Die Folgen kennen viele: ein rotes Gesicht, eine verstopfte Nase, Kopfschmerzen, Herzklopfen oder Magen-Darm-Beschwerden nach dem Trinken. Besonders stark reagieren Menschen mit einer erblich schwachen Aldehyddehydrogenase, bei denen sich Acetaldehyd anstaut. Auch Menschen mit einer Histaminunverträglichkeit vertragen Alkohol oft schlecht.
Histidinmangel und Blutarmut bei Alkoholkranken #
Weil Histidin ein Baustein des Hämoglobins ist, kann ein schwerer Mangel zu Blutarmut beitragen. Bei Alkoholkranken spielt das aber meist nur eine Nebenrolle. Die Blutarmut hat bei ihnen in der Regel andere Hauptursachen. Dazu gehören ein Mangel an Folsäure, Vitamin B12 oder Eisen, versteckte Blutverluste im Magen-Darm-Trakt und die direkte Giftwirkung von Alkohol auf das Knochenmark. Bei einer Leberzirrhose kommen Gerinnungsstörungen und eine vergrößerte Milz hinzu. Wer sich nach dem Ausstieg schwach und wenig belastbar fühlt, sollte deshalb ein Blutbild machen lassen. So lässt sich klären, welcher Mangel tatsächlich dahintersteckt.
Wie andere ihre ersten Monate ohne Alkohol erlebt haben, erfährst Du in unserem Alkoholiker-Forum.
Häufige Fragen zu Histidin #
Ja. Früher galt Histidin als nur teilweise lebensnotwendig. Heute weiß man, dass auch Erwachsene es nicht in ausreichender Menge selbst herstellen können. Es muss deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden.Ist Histidin eine essentielle Aminosäure?
Histidin ist eine Aminosäure, also ein Eiweißbaustein. Histamin ist ein Botenstoff, der in einem einzigen Schritt aus Histidin gebildet wird. Histamin steuert unter anderem Allergiereaktionen, die Magensäure und die Wachheit.Was ist der Unterschied zwischen Histidin und Histamin?
Rotwein enthält vergleichsweise viel Histamin. Gleichzeitig kann Alkohol den Abbau von Histamin im Darm bremsen und seine Freisetzung im Körper fördern. Das kann Gesichtsrötung, Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase auslösen.Warum vertragen manche Menschen Wein so schlecht?
